Finanzierung der Krankenkassen - "Geld oder Leben" - Von Martina Salomon

22. November 2001, 20:57
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Wie sich die Szenarien gleichen: Das klaffende Milliardenloch der deutschen Kassen hat eine heftige Debatte über Beitragserhöhungen ausgelöst. Österreicher haben nur halb so hohe Kassenbeiträge wie die Deutschen, dafür eine viel stärkere Steuerfinanzierung des nach wie vor sehr gut ausgestatteten Gesundheitswesens. Das Ergebnis ist dasselbe, die Kosten liegen europaweit an der Spitze. Da wie dort wird nach Mehreinnahmen gerufen. Doch die jeweiligen Regierungen versuchen auf die Kostenbremse zu drücken, um die außerordentlich hohen Lohnnebenkosten nicht noch weiter wachsen zu lassen. Während deutsche Ärzte nur noch beschränkt Medikamente verschreiben dürfen, müssen die Österreicher eine Ambulanzgebühr zahlen. Beides ist umstritten.

Aber wo ist hierzulande überhaupt noch Geld zu holen? Ein (kleines) Sparpotenzial bieten weitere Verwaltungsreformen innerhalb der Kassen. Die Österreicher liegen außerdem viel zu oft im Spital, und speziell in Wien gibt es eine zu hohe Ärztedichte (damit auch höhere Ansprüche der Kunden). Doch die Sparmeister unter den Bundesländern haben zwar schönere Bilanzen, dafür aber eine schlechtere Gesundheitsversorgung. Spitäler, in denen nachts nur ein Turnusarzt anwesend ist, oder Regionen mit einem einzigen niedergelassenen Gynäkologen im Umkreis von mehreren Kilometern sind natürlich billiger.

Wer dieses "Modell" nicht in ganz Österreich haben will, muss sich überlegen, wie insgesamt mehr Geld hereinkommt. Es gab bereits vernünftige Vorschläge jenseits von Beitragserhöhungen - etwa eine zweckgebundene Fünf-Schilling-Abgabe auf Zigarettenpackerln. Zweifellos wird noch einiges an Fantasie nötig sein, damit gewährleistet bleibt, dass alle am (teuren) medizinischen Fortschritt teilhaben können. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. November 2001)

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