"Unterstützung, die ich nicht erwartet habe"

23. November 2001, 10:14
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Schröder dankt seinen Genossen - Anspannung vor Grünen- Parteitag

Der Applaus war lau nach der Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Abschluss des viertägigen SPD-Parteitags. Dabei hatte sich der SPD-Chef redlich bemüht, auf die Delegierten zuzugehen. Der gerne als "Genosse der Bosse" titulierte Parteichef richtete Forderungen an die Unternehmer, statt auf Entlassungen auf intelligente Arbeitszeitmodelle zu setzen. "Man kann nicht immer nur etwas fordern, man muss auch etwas geben an die Gesellschaft."

Mehrfach bedankte sich Schröder für die Rückenstärkung durch die Beschlüsse zur Außen- und Wirtschaftspolitik. "Ihr habt Unterstützung in einem Maße gegeben, das ich so nicht erwartet hatte." Damit habe die Partei dazu beigetragen, dass die Arbeit der Regierung "in schwieriger Zeit einfacher wird". Nur mit einem Votum gegen Studiengebühren setzte sich der Parteitag gegen die SPD-Führung durch. Schröder forderte die Delegierten auf, die neuen Positionen der SPD in der Außenpolitik und zu Militäreinsätzen vermitteln. "Diese Debatte beginnt erst."

Wie erleichtert Schröder über den Parteitagsverlauf war, zeigte die Episode, als der SPD-Chef einen Bericht über seine Begegnung mit Kindern vorlas: Auf die Frage, was der Kanzler denn den ganzen Tag mache, antwortete der neunjährige Stefan: "Saufen!" Schröder entgegnete dem Buben vor der Delegiertenversammlung laut lachend: "Darin erschöpft sich meine Tätigkeit nun wirklich nicht." Das könne sich nur der Regierungschef eines Bundeslandes (Schröder selbst war früher Ministerpräsident von Niedersachsen) leisten.

Klarheit benötigt

Angespannter war Schröder, als er auf den Grünen-Parteitag am Wochenende angesprochen wurde. "Die Grünen wissen, was dort zu Debatte steht, ist vor allem die Politik ihres Außenministers. Der braucht die gleiche Klarheit für seine Politik, wie ich sie bekommen habe." Joschka Fischer forderte ein Vertrauensvotum für sich: Er erwarte harte Debatten, aber am Ende ein Bekenntnis zu Rot-Grün. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 23. 11. 2001)

STANDARD-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid aus Nürnberg
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