Umdasch AG kauft Assmann

22. November 2001, 19:08
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"Pleitenholding": Zwei von drei Sorgenkindern saniert und verkauft, drittes folgt

Wien - Die mit dem liebevollen Spitznamen "Pleitenholding" titulierte GBI (Gesellschaft des Bundes für industriepolitische Maßnahmen), eine Auffanggesellschaft für marode Unternehmen in Krisenregionen, hat zwei ihrer drei Sorgenkinder nach erfolgter Sanierung gewinnbringend verkauft. Die Assmann Ladenbau Leibnitz mit Töchtern in Tschechien, Polen, Schweiz und Österreich, wurde an den Amstettener Ladenbauer Umdasch AG verkauft, Strumpfhersteller Ergee mit Standorten in Schrems und Tschechien an den deutschen Strumpfproduzenten V2 GmbH des Industriellen Claus Vatter. Die Kaufpreise wurden nicht genannt; inoffiziell waren 300 Millionen Schilling als Verkaufserlös in Erfahrung zu bringen.

Die Umdasch AG steigt nach Angaben von Umdasch-Generaldirektor Reinhold Süßenbacher mit dem Erwerb von Assmann zum europäischen Marktführer mit einem Anteil von rund 10 Prozent auf. Der Erwerb beruhe auf Komplementarität, nicht auf Synergien, sagte Süßenbacher: Während Umdasch in erster Linie im Non-Food-Bereich tätig sei, wäre Assmann Spezialist für den Lebensmittelbereich. Assmann wurde 1993 von GBI übernommen.

Ergänzung von Produktionskapazitäten sei auch für V2 die Hauptmotivation zum Kauf von Ergee, 1997 von der GBI übernommen, erklärte Claus Vatter. Vatter will in den Standort Schrems in den beiden nächsten Jahren rund 20 Mio. S investieren und dort vor allem kapitalintensive Bereiche konzentrieren, während arbeits-(lohnkosten-)intensive Bereich in Tschechien zusammengefasst würden. V2 übernahm beim Kauf alle Verbindlichkeiten der Ergee.

Die Käufer mussten mehrjährige Standort- und Mitarbeitergarantien abgeben, deren Bruch mit hohen Pönalen bestraft werden. Bei Kündigungen muss Umdasch pro Person und Jahr 10.000 Euro an die Assmann Mitarbeiter-Stiftung (die 15 Prozent von Assmann hält) zahlen, Vatter sogar 15.000 Euro an die GBI.

"Wir haben bewiesen, dass das Konzept der GBI zur Sanierung und anschließenden Abgabe von Problembetrieben erfolgreich ist", erklärte GBI Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Roiss. Der Verkauf des dritten Sanierungsfalls, des steirischen Motorenherstellers ATB, soll noch im Dezember erfolgen. Die GBI solle in rezessionsgefährdeten Zeiten für diese Aufgabe erhalten bleiben, appellierte Roiss an die Politik. Eine Stellungnahme zur Zukunft der GBI wollte Verkehrsministerin Monika Forstinger gestern nicht abgeben. (spu, Der Standard, Printausgabe, 23.11.01)

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