"Wer soll die Aktie noch kaufen?"

22. November 2001, 18:53
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VA-Tech-Chef Becker kämpft gegen "Magengeschwür" im Metallurgiebereich

Wien - Die börsenotierte VA Tech AG baut in ihrer krisengeschüttelten Metallurgiesparte VAI bis Mitte 2002 weitere 700 Mitarbeiter ab. Am Standort Linz muss jeder fünfte Beschäftigte gehen.

Am Donnerstag, bei der Präsentation enttäuschender Neun-Monats-Ergebnisse, sprach Konzernchef Becker von einem "Magengeschwür" in einem ansonsten gesunden Unternehmen. Fast 690 Mio. S kostet die VAI-Umstrukturierung. Angesichts der "Probleme, die uns Substanz kosten", werde diskutiert, die Dividende für 2001 zu streichen.

Ein Käufer für die defizitäre VAI, traditionell aus dem Großanlagenbau für die Stahl-und Aluminiumindustrie kommend, sei weltweit nicht auszumachen. Die medial verkündeten Bemühungen der Verstaatlichtenholding ÖIAG, einen "Partner" für die gesamte VA Tech zu finden, kritisierte Becker scharf. Es sei wenig hilfreich, wenn von Eigentümerseite ständig erklärt werde, dass für die Braut kein Bräutigam gefunden werden könne. Becker: "Wer soll die Aktie noch kaufen?"

Erst vor kurzem waren die Gespräche mit dem austroamerikanischen Milliardär Gerhard Andlinger gescheitert, der rund 20 Prozent des Konzerns erwerben wollte.

Zu den gesunden Konzernbereichen zählt die Hydro-Sparte, die auf den Kraftwerksbau spezialisiert ist. In Kürze werde ein neuer Großauftrag über rund 1,3 Mrd. S (100 Mio. EURO) aus Ägypten erwartet. Durch den Zuschlag für eine Gas-Kombi-Anlage bei Ankara erreichte der VA-Tech-Auftragsstand ein neues Rekordniveau. Für das projektierte Wasserkraftwerk Ermenek in Ostanatolien, der Auftragswert liegt hier bei rund vier Mrd. S, sei nun die Exportgarantiezusage erteilt worden. Zum extrem umstrittenen Ilisu-Staudammprojekt in Südostanatolien, bei dem der VA Tech wichtige Konsortialpartner abhanden gekommen sind, sagte Becker: "Dass wir jetzt alles hinschmeißen und davonrennen, halte ich für unklug. Ich kann mir auch Lieferanten aus anderen Kontinenten vorstellen, dich sich um internationale Standards nichts scheren." Der VA-Tech-Anteil am Ilisu-Damm mache mindestens 4,2 Mrd. S aus.

Über alle Konzernbereiche sank der Umsatz nach drei Quartalen um ein Prozent auf 2,743 Mrd. EURO (37,7 Mrd. S). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im Vorjahresvergleich um 18 Prozent auf 64 Mio. EURO. Im Metallurgiebereich liegt das Ebit bei minus 17,5 Mio EURO. (miba, Der Standard, Printausgabe, 23.11.01)

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