BASF hat noch nicht über Klage gegen EU-Strafe entschieden

22. November 2001, 17:25
posten
Ludwigshafen - Der Chemiekonzern BASF hat noch nicht entschieden, ob er gegen die EU-Rekord-Geldstrafe wegen verbotener Preisabsprachen bei Vitaminen klagen will. "Wir prüfen noch", sagte BASF-Sprecher Hartmut Unger am Donnerstag in Ludwigshafen. Wann eine Entscheidung fallen werde, sei derzeit nicht zu sagen.

Die EU-Kommission hatte am Mittwoch gegen die BASF und sieben weitere Chemieunternehmen wegen des Vitaminkartells ein Bußgeld von 855,22 Mill. Euro (11,8 Mrd. S) verhängt. Die BASF, für die im Zusammenhang mit dem Vitaminkartell in anderen Ländern bereits Kosten von rund 1,4 Mrd. DM (716 Mill. Euro/9,85 Mrd. S) aufgelaufen sind, wird erneut mit 296,16 Mill. Euro zur Kasse gebeten. Das weltgrößte Chemieunternehmen hat nun zwei Monate Zeit, um zu entscheiden, ob es beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg Rechtsmittel einlegen will.

EU-Kommission hat Kartellaktivitäten bei zwölf Vitaminen untersucht

Nach Ungers Angaben hat die EU-Kommission Kartellaktivitäten bei zwölf Vitaminen untersucht. Die BASF produziere erst seit der Übernahme des Vitamingeschäfts des japanischen Pharmaunternehmens Takeda im vergangenen Jahr alle zwölf. Da sich die Kommission jedes einzelne Vitamin genau angeschaut habe, sei die Urteilsbegründung umfangreich. Diese werde nun ausführlich geprüft. "Bis man das alles mal durchgegangen hat, dauert es ein paar Nachmittage", sagte Unger. Nach Darstellung der EU hatten die Vitaminhersteller fast zehn Jahre lang - von September 1989 bis Februar 1999 - illegal die Preise abgesprochen und damit zum Schaden der Verbraucher hoch getrieben. Die BASF hatte das Bußgeld als "unangemessen hoch" kritisiert und sich "ungerecht behandelt" gefühlt. Zwar seien wegen des erwarteten Bußgeldes Rückstellungen gebildet worden; diese seien aber nicht so hoch wie die zu zahlende Summe.

Kosten wegen des Vitaminkartells hat sich für die BASF laut Unger auf 658 Mill. US-Dollar belaufen

So hatte die BASF in den USA, in Australien und Kanada bereits 233 Mill. Dollar Strafe gezahlt; zudem fielen 425 Mill. Dollar für Vergleiche mit direkten und indirekten Käufern an. In den USA sowie in Kanada, Australien und Neuseeland laufen zudem noch Vergleichsverhandlungen mit Käufern. (APA/dpa)

Share if you care.