Opec über Russland enttäuscht

23. November 2001, 18:53
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"Angebotene Förderkürzung zu wenig"

Moskau/Wien - Enttäuschung über das Angebot Russlands, die Ölexporte um 50.000 Fass (je 159 Liter) zu drosseln, hat den Ölpreis am Freitag um sechs Prozent nach unten geschickt. Am Freitag sackte er zeitweise bis auf 18,60 Dollar ab, nachdem er am Donnerstag auf über 20 Dollar geklettert war. Ein Opec-Sprecher bezeichnete Russlands Angebot als unzureichend zur Stabilisierung des Ölmarktes: "Wir hatten von Russland eine Drosselung um 150.000 Fass erwartet, nachdem Norwegen und Mexiko ihre Bereitschaft zu angemessenen Maßnahmen bekundet hatten."

Experten hatten nach den Angeboten der ebenfalls nicht dem Kartell angehörenden Förderländer Norwegen, Mexiko und Oman mit einer Einschränkung der russischen Ölexporte um 100.000 bis 150.000 Barrel gerechnet.

Nach einem Treffen von Vertretern der russischen Regierung mit den Spitzen der Ölkonzerne des Landes am Vormittag hatte Vizeministerpräsident Viktor Christenko angekündigt, statt der ursprünglich angebotenen Drosselung der Ölausfuhren um 30.000 werde Russland seine Ölexporte im vierten Quartal dieses Jahres um 50.000 Fass reduzieren. Tjumen-Oil-Chef Simon Kukes fügte hinzu, über die Ölexporte ab 1. Januar werde bei einem weiteren Treffen von Branchenvertretern mit der Regierung innerhalb der ersten zehn Dezembertage entschieden. Die Zahl 50.000 im vierten Quartal repräsentiere den tatsächlichen saisonbedingten Rückgang der russischen Exporte.

Zwischen 22 und 28 Dollar

Die Opec hatte sich in der Vorwoche zu einer Drosselung ihrer Ölausfuhren ab 1. Januar um 1,5 Millionen Fass bereit erklärt, wenn unabhängige Produzenten ihre Quoten zum gleichen Zeitpunkt um 500.000 Barrel zurücknehmen. Erklärtes Ziel des öligen Kartells ist es, die Preise wieder in dem angestrebten Band zwischen 22 und 28 Dollar zu stabilisieren. Mexiko stellte bereits eine Einschränkung um 100.000 Fass in Aussicht, ebenso wie das nicht zur Opec zählende Oman. Norwegen hatte am Donnerstag zugestimmt, seine Exporte ab 1. Januar, eventuell auch schon früher, um 100.000 bis 200.000 Fass zu reduzieren.

Analysten zufolge hat Russland mit diesem Angebot einen Versuchsballon gestartet. "Sie testen den Markt und wie er auf die Erklärung reagieren wird", sagte Konstantin Resnikow, der Ölanalyst der russischen Alfa-Bank. Der Markt werde die Nachricht negativ aufnehmen. Eine Drosselung um 50.000 Fass reiche nicht aus, selbst 100.000 wären wenig, sagte er. Andere Analysten verwiesen darauf, dass die Ölausfuhren Russlands im Winter traditionell immer deutlich zurückgehen würden. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 24.11.2001)

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