Deutscher 19-jähriger wegen Organhandels per Internet verurteilt

22. November 2001, 18:44
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Bot seine eigene Niere zur Versteigerung an - Mindestgebot 700.000 Schilling

Homberg - Wegen Organhandels über das Internet ist ein 19-Jähriger in Deutschland zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Das Amtsgericht im nordhessischen Homberg/Efze befand den Russlanddeutschen am Donnerstag für schuldig, eine seiner Nieren über das Web zur Versteigerung angeboten zu haben.

Niere für 700.000 Schilling

Der 19-Jährige hatte gestanden über das Internetauktionshaus eBay seine Niere zum Mindestgebot von 100.000 Mark (51.129 Euro/703.553 S) angepriesen zu haben. eBay hatte das Angebot aber einige Tage später gelöscht.

Jugendstrafrecht

Wegen einer Reifeverzögerung sei bei dem 19-Jährigen Jugendstrafrecht anzuwenden, so das Gericht. Die Strafe sei erzieherisch sinnvoll und angemessen. Im Erwachsenenstrafrecht sieht das Transplantationsgesetz für Organhandel Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von maximal fünf Jahren vor.

Geldmangel und familiäre Probleme

Zu seinen Motiven sagte der 19-Jährige: "Ich wollte mir das Leben leichter machen und eine neue Existenz aufbauen." Bei einem konkreten Kaufangebot "hätte ich das durchgezogen, wenn es möglich gewesen wäre". Geldmangel und familiäre Probleme hätten ihn zu der Tat verleitet.

Laut Bundeskriminalamt war zuvor in Deutschland noch kein Fall von illegalem Organhandel über das Internet bekannt geworden. Grundsätzlich ist nach dem Transplantationsgesetz eine Lebendspende nur bei einer engen emotionalen Bindung des Spenders zum Organsuchenden erlaubt. (APA/AP)

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