Angriff der New Yorker Killerpärchen

23. November 2001, 15:12
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The Moldy Peaches und Bitch And Animal

THE MOLDY PEACHES
(Rough Trade/Zomba)
Das New Yorker Mann und Frau-Duo, das live gewöhnlich in Hasen- oder Katzenkostüm, Robin Hood-Maskierung oder als Mülltonnen-Fabelwesen aus dem East Village vor die Menge tritt, verfolgt auf Folkbasis einen ähnlichen Ansatz wie die hier in der Vorwoche vorgestellten Kollegen aus Detroit, The White Stripes. Nur dass sich zu den in Schräglage heruntergedroschenen rudimentären Rock'n'Roll-Attacken noch ein Humor gesellt, der auf den naiven Schlagern eines Jonathan Richman ebenso fußt, wie hier experimentelles Flöten-Gepfeife auf hirnverstopfte Hörspiele trifft ("These burgers are crazy!"), eine Crack-Pfeife geraucht wird und man die Instrumente handhabt, als gelte es, sämtliche Geschmacksregeln des Alternative Genres für einen schlechten Witz aufzugeben. Songtitel sagen mehr als tausend Worte: New York City's Like A Graveyard, Little Bunny Foo Foo, Steak For Chicken oder Downloading With Dave. Erinnert sich noch jemand an die alten Nichtskönner von den Happy Flowers und ihre Laibach-Verarschung Geburt Einer Nation? "Gebt mir ein Leichtbier für die Welt!"

BITCH AND ANIMAL Eternally Hard
(Righteous Babe/Hoanzl)
Unter der Mitwirkung der feministischen Songwriterin Ani DiFranco präsentiert dieses - schon wieder - New Yorker Frau und Frau-Duo, das aussieht wie frisch aus einem Workshop für die Nachstellung des Comics-Hefterls Tank Girl gekommen, eine zwischen lieblichem Folkgesang, Trash-HipHop und Performance-Kunst angesiedelte Form von "Musik", die ebenso auf die Nerven gehen wie bezaubern kann. Weil Ober-Macho Mick Jagger gerade linker Hand den Bauch einzieht: Der Männer höhnisch auf das Wesentliche zusammenstutzende Rap Best Cock On The Block, der hat schon große Klasse! Bezüglich der Instrumente findet man meistens mit E-Bass und akustischen Gitarren oder Ukuleles sein Auslangen. An Discjockeys dürfte dieses Album also bis zu einem eventuell ins Haus stehenden Remix von Best Cock On The Block eher hinten vorbeigehen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 11. 2001)
 Von
 Christian
 Schachinger


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