Vom Barock zum Babadabada

22. November 2001, 17:29
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Ferhan und Ferzan Önder und Jacques Loussier

Wer Klassik liebt, für den stellen Bearbeitungen das Meersalz der Musik dar.

Gestern noch kannten wir sie als Klavierduo, nun entspannen sich Ferhan und Ferzan Önder im Pool, als wären sie gerade einem Wasserballett von Esther Williams entkommen. Jeder ungewohnte Blick weckt die Neugier, und bei Klängen ist's wohl ebenso. Davon leben auch gute Bearbeitungen.

Die Önder-Schwestern und die "Vier Jahreszeiten": Zwei Klaviere übernehmen den Part der Sologeige und des kleinen Kammerorchesters. Das zwingt zu Drive und Fingerfertigkeit, denn die Messlatten der neuen, wilden Vivaldi-Interpreten Biondi & Consorten liegen sehr hoch.

Kaum eine andere Bearbeitung auf CD erreicht die Virtuosität dieser Aufnahme, weder die japanischen Kotos noch die russischen Domras. Allerdings bleiben Steinways eben Luxus-Geschöpfe, und selbst Unwetter oder klirrende Kälte klingen einfach schön. Die Bach-Variationen (1865) des Brahms-Freundes Nottebohm, entdeckt im Musikverein, bilden den unerwarteten Romantik-Bonus.

Die Swingle Singers kommen wieder: mit zwei ihrer dynamisch am meisten beeindruckenden Aufnahmen, neu überspielt. Unglaublich, wie instrumental-geschmeidig die acht jungen Damen und Herren ihr "Babadabada" bei Mozart und Barock-Hits verschmolzen.

Auch Jacques Loussier nähert sich wieder dem Barock. Bei Marcello, Albinoni, Scarlatti und Händel sitzt dem Altmeister der Offbeat nach wie vor wie angegossen, und der Klang ist effektvoll audiophil.

Önder EMI 557 244 2. Swingle-Barock Universal 546 746-2. Swingle-Mozart Universal 548 538-2. Loussier Telarc/Musica CD-83516
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 11. 2001)

 Von
  Ludwig Flich


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