Reisebüros erwarten trotz der Anschläge Umsatzplus

22. November 2001, 17:23
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Geschäftsreisebereich besonders betroffen

Wien - Auf dem europäischen Reisemarkt seien nach dem 11. September insgesamt 25 bis 30 Prozent der Reisen storniert worden, wobei der Geschäftsreisebereich stärker betroffen war als die Urlaubsreisen, berichtete der Präsident des Österreichischen Reisebüroverbands (ÖRV) Günter Arlow. Von den USA-Reisen seien sogar 40 bis 50 Prozent storniert worden. Seit Anfang November würden die Buchungen nach Angabe des europäischen Reisebüroverbands (ECTAA) wieder anziehen. Besonders gefragt seien Skiurlaube, Kurz- und Mittelstrecken seien beliebter als Langstrecken.

Kurzfristige Buchungen nach Übersee

USA, Karibik, Kanada, Mittlerer Ostern, Indonesien, Malaysien und Großstädte seien als Reiseziele am schwersten von der Krise betroffen, die Gewinner seien das westliche Mittelmeer, Südafrika, die Kanarischen Inseln, Australien und die europäischen Wintersportgebiete, so Arlow. Das Buchungsverhalten sei derzeit sehr kurzfristig, neue Trends seien Inlandsreisen, innereuropäische Städtereisen, Bahn- und Schiffsreisen. In den meisten europäischen Ländern seien keine staatliche Hilfen für Reisebüros und -veranstalter gegeben worden, in Deutschland, Portugal und Italien werde noch verhandelt, berichtete Arlow. Die französische Regierung habe der Reiseindustrie aber Hilfe in Form von einer Erstreckung der Fristen für Steuer- und Sozialleistungen zugesagt. In mehreren europäischen Ländern sei Kurzarbeit eingeführt worden.

Insolvenzabsicherung für Airlines gefordert

Auf Grund der aktuellen Probleme fordere die ECTAA und der ÖRV nach dem Debakel um die Swissair und die Sabena eine Insolvenzabsicherung für Airlines, analog jener der Pauschalreiseveranstalter laut EU-Pauschalreiserichtlinie. Außerdem sollten Mehraufwendungen für Sicherheit nicht als Aufschlag zum Flugpreis dem Kunden verrechnet werden, sondern sollten im Flugpreis inkludiert sein, wünscht sich Arlow. Weiters dürften US-Airlines ihre staatlichen Unterstützungen nicht als Subvention für Preisdumpings auf Transatlantikstrecken verwenden. Weiters sollten Airlinetickets künftig auf andere Personen übertragbar werden, wie es die EU-Pauschalreiserichtlinie ermögliche, forderte Arlow weiters.

Österreich im Europavergleich am wenigsten von Krise betroffen

Die österreichischen Reisebüros erwarten trotz des temporären Buchungseinbruchs nach nach den Anschlägen in den USA im Gesamtjahr 2001 ein 5 bis 10-prozentiges Buchungsplus, sagte der Präsident des Österreichischen Reisebüroverbands (ÖRV), Günter Arlow. Vor dem 11. September hat es laut ÖRV in der österreichischen Reisebranche ein 8- bis 14-prozentiges Buchungsplus gegeben. Nach dem 11. September seien zwar im Schnitt sowohl bei Privat- wie bei Geschäftsreisen 15 bis 20 Prozent der bereits gebuchten Reisen storniert worden, in den letzten Wochen hätten die Buchungen jedoch bereits wieder angezogen, berichtete Arlow. Im Deutschland beliefen sich die Buchungsausfälle im Vergleich dazu auf 30 bis 40 Prozent, in der Schweiz sogar auf 50 Prozent.

"Ich fliege heuer noch, denn wer weiß, was im nächsten Jahr kommt"

Die österreichische Reisebürobranche sei im Europavergleich damit am wenigsten von der Reisekrise betroffen, was auf einen "gewissen Fatalismus der Österreicher" zurückzuführen sei, bemerkte der ÖRV-Präsident. In Österreich hätten in wirtschaftlichen Abschwungphasen touristische Buchungen immer zugenommen, da der Österreicher denke: "Ich fliege heuer noch, denn wer weiß, was im nächsten Jahr kommt", sagte Arlow.

Die Hauptreisezeit der Österreicher in die USA gehe von Mitte Mai bis Mitte September, jährlich reisen rund 100.000 Österreicher zu Urlaubszwecken in die USA, was 2 Prozent des gesamten Pauschalreisemarktes entspreche. Allein das teils beliebte Christmas-Shopping in den USA würde heuer fehlen, so Arlow. (APA)

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