Mit Geheimrezept "l'amour"

22. November 2001, 18:42
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Französische Marionnaud mit zwei Käufen Parfümerie-Marktzweiter

Wien - Die französische Marionnaud-Konzern wird mit der Akquisition der Import-Parfümerien und der Duftwasserkette Holzer schlagartig zum Marktzweiten in Österreich, umsatzmäßig knapp hinter der deutschen Douglas-Gruppe, bei der Anzahl der Filialen - insgesamt 87 im Vergleich zu 31 von Douglas - sogar die Nummer eins. Beiden Konzernen gehört somit rund ein Viertel des 3,5-Mrd.-S-Marktes der Parfümerien.

"Einmalig, egal für welche Branche" sei, so Marionnaud-Chef Marcel Frydman am Donnerstag, das Wachstum seit dem Börsegang 1998 gewesen. "735 Filialen wurden eröffnet, übernommen und rentabilisiert", so Frydman, der anlässlich des feierlichen Anschraubens des Firmenlogos an sämtlichen an sich schon Ende 2000 übernommenen Import-Parfümerien nach Wien kam - und unter den 270 Österreich-Mitarbeitern zur Feier des Tages den Tagesumsatz verteilen lässt.

Auf die Frage, ob er weitere Parfümerien hierzulande übernehmen will, sagt der 70-Jährige: "Warum nicht?" Der gelernte Logistiker kaufte 1984 für seine Frau eine Parfümerie und machte daraus den Marktführer in Frankreich sowie europaweit 850 Filialen. Das Geheimrezept für den Erfolg: niedrige Preise für "die Gebrauchsgüter mit den großen Namen drauf" dank effizienter Warenwirtschaft sowie -"l' amour", dadurch blieben, sagt Frydman, sowohl Kundinnen wie auch Mitarbeiterinnen treu.

Für die Holzer-Übernahme zeigt sich Frydmann zuversichtlich

Die wichtigsten Hürden seien genommen, daher sei "in den nächsten Tagen" mit der kartellrechtlichen Genehmigung zu rechnen. Dann soll in die Standorte investiert werden. Auch weitere Zukäufe in Österreich seien nicht ausgeschlossen, "wenn sich die Gelegenheit bietet". Megastores sind die Sache von Marionnaud dagegen nicht. Zwar gebe es knapp 30 Geschäfte mit rund 500 Quadratmeter, "unser Schwerpunkt sind aber Boutiquen mit im Schnitt 100 m2.

Mit 825 Geschäften - 514 davon in Frankreich -, mehr als 5.000 Mitarbeitern und einem Konzernumsatz von 503 Mrd. Euro (6,92 Mrd. S) ist der Abstand von Marionnaud auf Douglas laut Frydmann auch europaweit nur noch gering und werde bald aufgeholt sein. Der konsolidierte Nettogewinn stieg um 90 Prozent auf 22 Mill. Euro. In den nächsten Jahren soll der gesamte europäische Markt von "Westen nach Osten und von Norden nach Süden" aufgerollt werden. In der Schweiz hat sich die französische Kette ähnlich wie in Österreich mit der Übernahme der der Ketten Alrodo und Principale zum Marktführer katapultiert. In Italien verfügt Marionnaud über rund 100 Geschäfte, in Spanien sind es 8. Heuer im Mai wurden wurde mit einem großen "Espace" in der Nähe von Tunis ein erstes Geschäft außerhalb Europas eröffnet.

Der Grundstein für das Unternehmen wurde 1984 gelegt

Damals kaufte Frydmann für seine Frau eine erste Parfümerie. Bis 1996 wurde das Netz auf 48 Filialen ausgedehnt. Im gleichen Jahr ergab sich die Gelegenheit die renommierte Parfümeriekette Marionnaud zu kaufen, zwei Jahre später erfolgt der Börsegang. Der Aktienkurs habe sich seit damals auf 101 Euro mehr als verdreifacht. Umsatzrückgänge im Parfümeriemarkt seit den Terroranschlägen vom 11. September bzw. durch den Konjunkturrückgang sieht Frydmann nicht. "Kosmetika und Parfüms sind keine Luxusartikel", betonte er. Ein Umsatzplus von 14 Prozent bei Marionnaud in Frankreich aber auch in Österreich sei der Beweis. In den ersten 9 Monaten legte der Gruppen-Umsatz (netto) um 60 Prozent auf 469,7 Mill. Euro zu. (szem, Der Standard, Printausgabe, 23.11.01)

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