Tödliche Schüsse in Wien-Neubau

22. November 2001, 14:25
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Lebenslang für Lokalgast - Wütender 52-Jähriger holte Gewehr und feuerte Magazin leer

Wien - Mit einem einstimmigen Schuldspruch wegen Mordes ist am Donnerstagnachmittag im Wiener Landesgericht der Prozess gegen Herbert S. zu Ende gegangen. Der 52-Jährige wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte am 18. April 2001 nach einem Disput im Cafe "s' Lercherl" in Wien-Neubau einen Lokalbesucher erschossen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Angeklagte meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

"Der Klane hat mi g'schimpft"

Herbert S. dürfte - wie man so schön sagt - vor Wut gekocht haben: Nachdem er einiges an Schnaps, Bier und "G'spritzten" getrunken hatte, geriet er mit zwei Lokalgästen in einen Streit. "Der Klane hat mi g'schimpft, der Blade hat mir ane geben, dass es mi hing'haut hat", erzählte der 52-Jährige jetzt dem Schwurgericht (Vorsitz: Gerhard Pohnert). Darauf verließ er gegen 2.15 Uhr das Lokal, holte von daheim sein Kleinkalibergewehr und schoss acht Mal auf Arpad K. (51), bis das Magazin leer war.

Schüsse in Herz, Brust und Bauch

Zwei Schüsse gingen mitten ins Herz, die anderen in Brust und Bauch. Der gebürtige Ungar, der in Wien seit längerem selbst ein Gasthaus betrieb, brach an der Bar zusammen und war auf der Stelle tot. "Es war a außergewöhnlicher Zustand", sagte nun der Schütze. Er sei provoziert worden. Unter anderem habe er das Wort "Warmer" gehört. "Die ham mi sekkiert! I hab a Blackout g'habt. I war betrunken, medikamentös. In dem Zustand war i unberechenbar", erklärte Herbert S.

Eigentlich hätte er sich über "den Klanen" mehr geärgert als über "den Bladen", meinte er. Ersterer hatte jedoch das Lokal bereits verlassen, als der 52-Jährige mit seinem halbautomatischen Kleinkalibergewehr zurückkehrte. Noch in der Tür stehend, richtete er die Waffe auf Arpad K. und streckte diesen nieder. "Des san Vorgänge, die unbegreiflich san. Ma muss net bei allem, was ma tut, was denken", philosophierte der Angeklagte.

"Normalerweis schieß i auf Tauben"

Umbringen hätte er "den Bladen" nicht wollen, beteuerte er: "Normalerweis schieß i mit den Bleipatzerln auf Tauben. I hab ma dacht, dass es für a Taube reicht, aber net für an Menschen."

Im früheren Leben war Herbert S. ein gut verdienender Industriekaufmann. Mitte der achtziger Jahre nahm sein Alkoholproblem immer gröbere Ausmaße an. Er verlor den Job, zwei Entwöhnungskuren fruchteten nichts. Nach kurzen Phasen der Abstinenz zog es ihn immer wieder in seine Stammlokale. Die Psychiaterin Sigrun Rossmanith nannte ihn in ihrem Gutachten einen "süchtigen Konflikttrinker, der im Rausch zu Kontrollverlust neigt". (APA)

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