Alcatel Austria stellt sich auf schwieriges Jahr 2002 ein

22. November 2001, 14:26
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Rund 50 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel - Auftragsschwäche bei Telekomnetzen

Wien - Die Österreich-Tochter des französischen Alcatel-Konzerns stellt sich auf ein schwieriges Jahr 2002 ein. Die üblicherweise im September erledigte Budgetplanung für das Folgejahr wird heuer angesichts der unsicheren Auftragsaussichten auf den Dezember verschoben, sagte Generaldirektor Reinhard Hutter Mittwoch Abend vor Journalisten. Der vom Alcatel-Konzern Ende Oktober angekündigte Abbau von 10.000 weiteren Stellen in Europa, der bei der deutschen Alcatel-Tochter SEL für massive Proteste sorgte, wird in Österreich milder ausfallen.

Heuer wird Alcatel Austria den Mitarbeiterstand von 1.150 auf rund tausend zum Jahresende senken. "Wir haben bereits im April mit den Anpassungen auf das gesunkene Geschäftsvolumen begonnen", sagte Hutter. Ein Teil des Beschäftigtenabbaus sei über ausgelaufene Zeitverträge erfolgt. Für 2002 sei ein weiterer Abbau nicht auszuschließen, wobei die natürliche Fluktuation und der Umstieg auf Altersteilzeitverträge ausgenutzt werden soll. Angesichts noch fehlender Budgetzahlen wollte sich Hutter auf keine Zahl festlegen, nannte jedoch 50 Arbeitsplätze weniger als denkbare Größe.

Telekommarkt erholt sich in nächster Zukunft nicht

Beim Jahresumsatz 2001 wird Alcatel Austria die budgetierte Größenordnung von rund 5,7 Mrd. S (414 Mill. Euro) erreichen, was gegenüber den 2000 erzielten 7,1 Mrd. S ein Minus von 20 Prozent darstellt. Den Rückgang begründete Hutter mit dem Abschluss des Mobilfunknetzes des vierten österreichischen Handybetreibers tele.ring zur Jahresmitte. Außerdem seien die transeuropäischen Netze in Österreich für Telia und i21 fertiggestellt worden.

Obwohl Alcatel Austria in jüngster Zeit Aufträge im Wert von 10 Mill. Euro von Telekom Austria (ATM backbone) und die Microwave Übertragungstechnik für tele.ring erhalten habe und für 2002 auf Folgeaufträge hofft, dürfte sich der Telekommarkt in nächster Zukunft nicht erholen. Bei den GSM-Handynetzen sei eine Marktsättigung eingetreten, und wann die nächste Generation der UMTS-Breitbanddienste realisiert werde, sei noch unsicher. Da angesichts der hohen Lizenzkosten für UMTS eine Konzentration der Anbieter zu erwarten sei, warte Alcatel Austria gespannt darauf, welche Netzwerkstechnologie dabei den Vorrang erhalten werde, was sich auf den weiteren Verlauf des "Carrier-business" bei Alcatel auswirke.

Gute Chancen bei urbanen Glasfasernetzen für künftige UMTS-Installationen

Gute Chancen sieht Alcatel Austria bei urbanen Glasfasernetzen für künftige UMTS-Installationen, um die Breitbanddienste an die Endkunden heranzubringen. Bei der Ausschreibung der elektronischen Lkw-Maut ist Alcatel als Anbieter für das Systemservice in der Endphase mit dabei.

Für ihr neues Zugleitsystem ETCS und elektronische Stellwerke hat Alcatel Austria, die für den Konzern die Auslandsmärkte Ungarn, Tschechien, Bulgarien sowie Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein betreut, heuer Aufträge von den Schweizer Bundesbahnen und aus Luxemburg in Höhe von 80 Mill. S (5,9 Mill. Euro) erhalten. In Österreich ist in den nächsten Jahren die Ausrüstung des Streckennetzes mit ETCS ebenfalls geplant. Der Jahresumsatz von rund 700 Mill. S mit Eisenbahntechnik könne jedoch die Auftragsschwäche bei den Telekomnetzen nicht kompensieren, sagte Hutter.

Den Verkauf von Handygeräten hat der Alcatel-Konzern vor zwei Jahren in eine eigene Gesellschaft ausgelagert, die Handyfertigung in Frankreich wurde an den US-Hersteller Flextronics abgegeben. Alcatel-Handys werden noch in China für den lokalen Markt erzeugt. (APA)

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