Mutmaßlicher Terroristen-Anführer Atta wurde vom deutschen Verfassungsschutz abgehört

23. November 2001, 12:38
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Gespräch blieb wegen Harmlosigkeit unbeachtet

Hamburg - Der mutmaßliche Anführer der Terroristen vom 11. September, Mohammed Atta, ist vor der Tat vom Verfassungsschutz abgehört werden. Bei Telefonüberwachungen gegen radikale Islamisten in Hamburg im Jahr 1999 habe das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln mindestens ein Telefonat aufgenommen, in dem von einem "Mohammed" die Rede war, berichtete der Sender NDR am Donnerstag. Heute wisse man, dass damit Atta gemeint gewesen sei.

Der Verfassungsschutz gab zunächst keine Stellungnahme dazu. Der Bericht mit dem Titel "Die Todespiloten" wird am Freitag um 22.15 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

"Harmloses" Gespräch

Das aufgezeichnete Gespräch habe sich so harmlos angehört, dass man die neue Spur nicht weiter verfolgt habe, berichtet der Sender unter Bezug auf die Ermittler. Außerdem sei es damals nicht möglich gewesen, Atta zu identifizieren. Erst nach den Anschlägen von New York und Washington sei den Fahndern die Identität bewusst geworden.

Die Telefonüberwachungen richteten sich nach Recherchen des NDR gegen mutmaßliche Unterstützer des El Kaida-Netzwerkes in Hamburg. Auf diese Spur sei der Verfassungsschutz schon 1998 gestoßen. Damals sei Mamdouh Salim, der mutmaßliche Finanzchef von Osama Bin Laden, in München verhaftet worden. In seiner Vernehmung habe er Kontakte nach Hamburg gestanden, unter anderem zu dem syrischen Kaufmann Mamoun Darkanzali.

Geheimdienstinformationen kamen zu spät

Die aus Hamburg kommenden Attentäter vom 11. September waren laut NDR auch anderen Geheimdiensten aufgefallen. So erhielt das FBI entsprechende Informationen "befreundeter Geheimdienste" - allerdings zu spät, nämlich erst nach den Anschlägen. Diesen Informationen zufolge war Mohammed Atta in der ersten Hälfte des Jahres 1999 in einem Ausbildungslager in Afghanistan. Auch ein zweiter mutmaßlicher Hamburger Terrorpilot, Marwan Al Shehi, sei Ende desselben Jahres nach Afghanistan gereist. (APA)

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