UNO-Tribunal an 362 Personen in Serbien "interessiert"

22. November 2001, 14:05
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Beweise wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen über 17 Polizeifunktionäre gesammelt

Belgrad - Die Belgrader Wochenzeitschrift "Reporter" hat ein Verzeichnis von 362 serbischen Staatsbürgern veröffentlicht, für die sich die Ermittler des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien interessieren. Das Verzeichnis war den jugoslawischen Behörden seitens der Chefanklägerin des Tribunals, Carla del Ponte, bei ihrem Besuch in Belgrad Ende Oktober zugestellt worden.

Auf der Liste finden sich die Namen von 17 früheren und derzeit im Amt befindlichen Polizeifunktionären, über die laut der Zeitschrift vom Tribunal Beweise wegen Kriegsverbrechen der serbischen Polizeikräfte gesammelt werden. Weitere 345 Personen sind für die Ermittler wegen ihrer aktiven Teilnahme an Polizeiaktionen im Kosovo als mögliche Augenzeugen oder Verdächtige interessant.

Anlass für Meuterei

Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic hatte letzte Woche die Existenz der Liste bestätigt. Gemäß "Reporter" war das Verzeichnis der eigentliche Anlass für die kürzlich erfolgte Meuterei der Spezialpolizeieinheit des serbischen Staatssicherheitsdienstes. Die Zeitschrift behauptet, dass den "Roten Mützen" das Verzeichnis aus der "engsten Umgebung des jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica" zugestellt worden sei. Auf der Liste finde sich unter anderem auch der Name des früheren Kommandanten der "Roten Mützen", Milorad Ulemek alias Legija, der im Frühling seinen Posten aufgeben musste.

Gegenüber der Tageszeitung "Blic" hat am Donnerstag nur der Polizeichef in Belgrad, Oberst Dragan Zivaljevic, das Auftauchen seines Namens unter den 17 Polizeifunktionären, gegen die Beweise gesammelt werden, als "schockierend" bezeichnet. Ministerpräsident Djindjic hatte letzte Woche das Tribunalsverzeichnis als "sehr gering" bezeichnet und es mit der Pflicht des Tribunals in Verbindung gebracht, bis 2003 die Angeklagtenlisten anzufertigen und bis 2007 alle Strafverfahren zu beenden. (APA)

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