"Taliban-Pest mit Nordallianz-Cholera ausgetrieben"

22. November 2001, 13:34
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Islam-Experte: Kaum Erfolgsaussichten für Afghanistan-Konferenz

Hamburg - Die Erfolgsaussichten der am kommebnden Montag auf dem Petersberg bei Bonn beginnenden Afghanistan-Konferenz sind nach Einschätzung des deutschen Islam-Experten Michael Lüders gering. "Die Pest der Taliban wurde mit Hilfe der Cholera der Nordallianz besiegt", sagte der Politikberater der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstag. Der nach Kabul zurückgekehrte Präsident Burhanuddin Rabbani sei als politischer Führer der Nordallianz einzig an der eigenen Macht und der seiner tadschikischen Volksgruppe interessiert.

Lüders hält es nur für eine Frage der Zeit, bis die durch die Niederlage der Taliban vorübergehend geschwächten Paschtunen als größte afghanische Volksgruppe wieder zu den Waffen greifen. Nach seiner Einschätzung wird der Bürgerkrieg spätestens im kommenden Frühjahr erneut beginnen. Das Modell, das Land mit westlicher Hilfe aufzubauen, werde letztlich scheitern. Voraussetzung für einen Erfolg sei eine politische Lösung. Diese könne nur von den Afghanen selbst kommen.

"Chaos und Instabilität"

"Die westlichen Alliierten werden nicht viel mehr leisten können, als einen Flächenbrand zu verhindern", sagte Lüders. Sie müssten jetzt versuchen, ein Übergreifen von "Chaos und Instabilität" auf Pakistan zu stoppen, wo Millionen von Paschtunen leben. "Eine Ausweitung wäre eine äußerst bedrohliche Entwicklung, weil Pakistan die Atombombe besitzt."

Um dem Terror in den Griff zu bekommen, müsse der Westen umdenken. "Der Westen muss lernen, die islamisch-arabische Welt nicht nur als strategische Verfügungsmasse, sondern als gleichberechtigten Partner zu begreifen", sagte Lüders. Die westliche Politik werde in der Region als ungerecht wahrgenommen. Aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus herrsche ein latenter Antiamerikanismus. (APA/dpa)

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