Schließung von Semperit unklar

22. November 2001, 13:39
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AKNÖ-Präsident überzeugt, dass Käufer gefunden wird

Hans Georg Hirschl, Geschäftsführer der zum deutschen Continental-Konzern gehörenden Traiskirchener Semperit Reifen GmbH hat am Donnerstag dementiert, dass es in der Konzernzentrale in Hannover bereits einen Schließungsbeschluss für das niederösterreichische Werk gebe: "Die Schließung ist keine - oder vielleicht: noch keine beschlossene Sache", sagte Hirschl am Donnerstag auf Anfrage der APA. Er erwarte sich spätestens Anfang der nächsten Woche ein "klares Wort" von der neuen Conti-Konzernleitung.

Auch schwedischer Standort von Schließung gefährdet

Der erst vor wenigen Monaten angetretene neue Konzernchef Manfred Wennemer hatte nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal die Schließung von Standorten und den Abbau von Beschäftigten angekündigt. Welche Produktionsstätten zugesperrt werden, wurde offiziell noch nicht entschieden. In unbestätigten Meldungen hieß es, neben dem schwedischen Standort Gislaved sei auch das Reifenwerk in Traiskirchen gefährdet.

In Traiskirchen wurden bereits seit Jahresmitte rund 300 Jobs abgebaut, nach den offiziellen Produktionsplanungen sollen bis zum nächsten Jahr mehr als 100 weitere Posten gestrichen werden. Die Verlagerung von Kapazitäten an andere Standorte führe zur künstlichen Erhöhung der Stückkosten und könnte schließlich als Begründung für einen Schließungsbescheid verwendet werden, befürchtet der Semperit-Betriebsrat schon seit einigen Monaten. Betriebsratschef Alfred Artmäuer war am Donnerstag zunächst nicht erreichbar.

Keine Hilfe von Regierung

Der "worst case" in Traiskirchen werde immer wahrscheinlicher, kommentierte AKNÖ-Präsident Josef Staudinger (Arbeiterkammer NÖ) Befürchtungen des Traiskirchner Bürgermeisters und SPÖ-Landesrates Fritz Knotzers. Staudinger erinnerte daran, dass er selbst bereits vor geraumer Zeit an die Regierung appelliert habe, sich des Falles Semperit anzunehmen.

"Die Semperit steuert auf die seit langem befürchtete Schließung zu, aber es gibt noch immer keine Reaktion oder gar Hilfe von der Regierung", so Staudinger. "Semperit Traiskirchen ist erwiesenermaßen einer der effizientesten Standorte in Europa. Deshalb stellt die schrittweise Schließung des Werkes bis zum Jahr 2003 für mich eine absolut unverständliche Vorgangsweise dar."

Der AKNÖ-Präsident erneuerte seinen dringenden Appell, "schnellstens etwas zu unternehmen". Es gehe hier um 1.500 Menschen, die in ihrer Existenz bedroht sind und um die Region, für die der Verlust des Semperit-Werkes schlimme Folgen nach sich ziehen wird. "Ich bin überzeugt, dass für die Traditionsmarke Semperit ein Käufer gefunden und damit der Standort Traiskirchen gerettet werden kann", betonte Staudinger. (APA)

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