Israelischer Offizier wegen Erschießung eines Palästinensers vor Gericht

22. November 2001, 13:27
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Untersuchungen gegen 150 Militärangehörige

Tel Aviv - Die israelische Armee wird erstmals seit dem Beginn des palästinensischen Aufstands vor 14 Monaten einen Offizier wegen der Tötung eines Palästinensers vor ein Militärgericht stellen. Aduram Riegler hatte am 13. Oktober vergangenen Jahres in einem Dorf im Westjordanland einem Soldaten befohlen, Warnschüsse auf einen Palästinenser abzufeuern, der auf einem Esel vorbei geritten war. Der "Warnschuss" habe das Opfer jedoch tödlich am Kopf getroffen, berichtete am Donnerstag die die Tageszeitung "Haaretz".

Nach offiziellen Angaben wurden seit Beginn der zweiten Intifada im September 2000 in mehr als 150 Fällen Untersuchungen gegen israelische Soldaten wegen übermäßiger oder unnötiger Gewaltanwendung gegen Palästinenser in den besetzten Gebieten eingeleitet. In lediglich fünf Fällen soll nach Angaben von "Haaretz" in Kürze über eine Anklage entschieden werden. Einer der Beschuldigten soll in diesem Jahr in Nablus im Westjordanland eine 20-Jährige ohne jeden Grund erschossen haben. Seit Beginn des Aufstands sind mehr als 800 Palästinenser und über 200 Israelis getötet worden. Über 20.000 Personen wurden verletzt.

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat in ihrem jüngsten Bericht an das Anti-Folter-Komitee der UNO Israel die zunehmende Anwendung von Folter vorgeworfen. Die Organisation prangerte die in Israel angewandte Untersuchungshaft ohne Anklage oder Gerichtsverhandlung an, sowie die Straffreiheit für Mitglieder der Sicherheitskräfte nach Übergriffen. Vom UNO-Komitee forderte ai, dass die Zerstörung von Häusern als Kollektivstrafe als grausam und unmenschlich verurteilt werde. (APA/dpa)

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