Österreichs Straßen sind für Osterweiterung immer noch nicht fit

22. November 2001, 12:47
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In Nickelsdorf mehr Lkw als am Brenner erwartet

Wien - Die EU-Erweiterung bringt mehr Verkehr auf Österreichs Straßen. Wie viel mehr sie tatsächlich bringen wird, hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) anhand eines drastischen Beispiels verdeutlicht. Seiner Berechnung zufolge wird sich der Güterverkehr auf der Straße zwischen Österreich und den angrenzenden Ostländern bis 2010 von 7,7 auf 25,7 Tonnen verdreifachen. Über den Grenzübergang Nickelsdorf werden dann rund 8.000 (heute: 2.600) Lkw pro Tag rollen - deutlich mehr als heute am Brenner, wo derzeit täglich 6.500 Lkw verkehren, warnte VCÖ-Verkehrsexperte Wolfgang Rauh am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Auch in Drasenhofen soll sich die Zahl der Lkw, die täglich den Grenzübergang überquert, bis 2010 von derzeit 1.000 auf 3.000 erhöhen. In Klingenbach wird ein Anstieg von 600 auf rund 2.000 Lkw erwartet. "Hier bewahrheitet sich wieder einmal, dass Straßenbau zusätzlichen Verkehrs anzieht", kritisierte Rauh.

Auch der Personenverkehr wird sich deutlich erhöhen

Neben dem Güterverkehr werde sich aber auch der Personenverkehr deutlich erhöhen. Der VCÖ erwartet 15 mal so viele Tagespendler wie heute, konkret etwa 76.000 Tagespendler bis 2010. Im Personenverkehr sei mit einem Wachstum von 50 Prozent zu rechnen. Auch die Zahl der Pkw werde sich daher kräftig erhöhen: In Nickelsdorf von 13.500 auf 20.000 pro Tag, in Klingenbach von 11.000 auf 16.000 und in Drasenhofen von 6.000 auf 9.000 Pkw pro Tag.

CO2 Emmissionswerte werden sich verdreifachen

Damit drohe den Menschen in Ostösterreich ein Verkehrschaos: kilometerlange Staus, Verkehrslärm, eine um 4 Prozent erhöhte Unfallgefahr und vor allem eine "enorme Zunahme der Schadstoffbelastung. "Insgesamt werden sich die auch der Personenverkehr deutlich erhöhen: "Insgesamt werden sich die CO2-Emissionen entlang dieser Hauptrouten bis 2010 von 268.000 Tonnen auf 899.000 Tonnen mehr als verdreifachen", warnt Rauh.

Dennoch ist der Verkehrsclub gegen ein Veto Österreichs bei den Erweiterungsverhandlungen auf Grund der Verkehrsfrage. Ein solches Veto sei sachlich nicht begründet. Viele Dinge in der Vorbereitungszeit von Österreich selbst zu erledigen. "Die Beitrittskandidaten dafür zu bestrafen, dass Österreich seine Hausaufgaben nicht erledigt ist absurd", betonte Rauh.

Derzeit sei Österreichs Verkehrsinfrastruktur noch in keiner Weise "fit" für die EU-Erweiterung. Der VCÖ plädiert dafür, schneller als derzeit geplant die vollelektronische Lkw-Maut einzuführen und vor allem die Bahn auszubauen. Die Bahnkapazitäten seien derzeit nicht ausreichend.

Bahntrassen und Güterwege müssen ausgebaut werden

Auf den Bahntrassen Sopron (Ungarn)-Wien-Linz-Budweis (Tschechien) könnten heute gerade 28 Güterzüge täglich geführt werden. Der durch die bevorstehende Erweiterung prognostizierte Zuwachs sei damit nur bis 2003 zu bewältigen. Die Engpässe müssten daher rasch beseitigt werden, fordert Rauh. Außerdem schlägt der VCÖ vor, den Verkehrsbund-Ostregion (VOR bis Györ/Ungarn und Pressburg/Slowakei) auszudehnen, um die Bahn auch für den Personenverkehr zu attraktivieren. (APA)

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