Pleiteholding verkauft zwei Unternehmen

22. November 2001, 12:55
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Assmann geht an Umdasch, Ergee an Vatter-Gruppe

Wien – Nach den am Mittwoch, Nacht beschlossenen Verkauf der Ergee Textilgruppe (Schrems) an den deutschen Textilkonzern des Industriellen Claus Vatter sowie der Assmann Ladenbau-Gruppe (Leibnitz)an die Umdasch AG will die Pleiteholding GBI (Gesellschaft des Bundes für Industriepolitische Maßnahmen) auch ihre Beteiligung am steirischen Motorenhersteller ATB (Spielberg) noch im Dezember verkaufen, kündigte GBI-Aufsichtsratspräsident Gerhard Roiss heute bei einem Pressegespräch an.

Ergee mit Millionenverlusten

Die 1902 gegründete Ergee Textilgruppe und ihre Tochtergesellschaft Loaner in Tschechien (Roznov) hat im Geschäftsjahr 2000 mit knapp 1.000 Mitarbeitern rund 49 Mill. Euro (674 Mill. S) Umsatz erwirtschaftet. In den vergangenen Jahren habe die Ergee 1,9 bis 2,5 Mill. Euro an Verlusten geschrieben, heuer soll eine schwarze Null erzielt werden, prognostizierte Roiss. Bei der Ergee sei der Verkaufsprozess um vieles schwieriger als bei der Assmann gewesen, zumal man nie gewusst habe, ob die Ergee wirklich sanierbar sei.

Die Vatter-Gruppe habe die Verluste der Ergee mit übernommen, sagte Vatter-Geschäftsführer Claus Vatter. Der neue Eigentümer will den Standort Schrems umstrukturieren und zum Zentrum von Ergee ausbauen. In den nächsten zwei Jahren will Vatter 20 Mill. S (1,45 Mill. Euro) in den Ausbau des Strickstrumpfwerks investieren und die Maschinenanzahl von derzeit rund 80 auf 120 erhöhen. Die Ausfertigung soll nach Tschechien verlagert werden. Vatter hat für die derzeit 270 in Schrems beschäftigten Mitarbeiter eine Garantie gegeben, die Mitarbeiterzahl in den nächsten drei Jahren nicht unter 200 zu senken, ansonsten wird eine Pönale von 15.000 Euro pro Arbeitsplatz pro Jahr schlagend.

Die Vatter-Gruppe (Schongau/Bayern) produziert heuer mit rund 2.000 Mitarbeitern in Deutschland, Tschechien und der Slowakei 90 Mill. Feinstrumpfhosen und acht Mill. Strickstrumpfhosen. Ergee produziert im Vergleich dazu heuer sechs bis sieben Mill. Strickstrumpfhosen und vier Mill. Feinstrumpfhosen, zwei Mill. davon werden zugekauft. Vatter könne am Standort Schrems um rund 30 Prozent billiger produzieren als in Deutschland, sagte Vatter.

Ergee werde als Marke im Fachhandel bestehen bleiben, betonte Vatter.

Umdasch wird mit Assmann europäischer Marktführer

Nach dem Verkauf der Assmann Ladenbau-Gruppe an die Umdasch AG werde die eigene Marke bestehen bleiben, das Unternehmen werde als Tochter der Umdasch AG sowie als Schwester zu den übrigen Umdasch Ladenbau-Unternehmen firmieren, kündigte Umdasch-Geschäftsführer Reinhold Süßenbacher heute vor Journalisten an. Umdasch werde mit Assmann im Bereich Ladenbau mit rund zehn Prozent Marktanteil europäischer Marktführer.

Assmann setzte im Jahr 2000 mit rund 600 Mitarbeitern 753 Mill. S (54,7 Mill. Euro) um und erzielte ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 50 Mill. S. Die Gruppe besteht aus der Assmann Ladenbau Leibnitz GmbH und Tochtergesellschaften in Tschechien, Polen, der Schweiz und Österreich. Die Umdasch-Gruppe mit Sitz in Amstetten setzte zuletzt 6,5 Mrd. S um. Die auf den Ladenbau im Nicht-Lebensmittelbereich spezialisierte Umdasch-Gruppe könne mit Assmann, deren Schwerpunkt im Lebensmittel-Ladenbau liege, Ergänzungen nützen, bemerkte Süßenbacher.

Managementteam wird mit übernommen

Die GBI hat ihre 84,8 Prozent an der Assmann nun an die Umdasch verkauft, 15,2 Prozent befinden sich in Besitz einer Mitarbeiterstiftung. Auch das bisherige Assmann-Managementteam um Geschäftsführer Bernhard Ebner werde von Umdasch übernommen, sagte Süßenbacher. Umdasch habe ebenfalls eine Mitarbeitergarantie für die 500 Mitarbeiter am Standort Leibnitz gegeben.

Verkaufssumme für GBI

Man führe mit diversen Interessenten derzeit Verkaufsverhandlungen für die ATB, wobei ein sehr konkretes Angebot eines österreichischen Interessenten vorliege, berichtete Roiss. Die GBI gehe davon aus, dass der Verkauf noch im Dezember realisiert werde. Über den für Ergee und Assmann erzielten Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die durch den Verkauf von Assmann und Ergee erzielte Summe fließe in die GBI, stellte GBI-Aufsichtsratspräsident Gerhard Roiss fest. Die GBI werde auch künftig weiter bestehen, zumal sie ein sinnvolles Instrument gerade in Zeiten von Rezession sei. Allerdings werde der Verwendungszweck "korrigiert" werden. Die GBI habe zwar Verbindlichkeiten, aber ausreichend Eigenkapital. Die Entscheidung über den weiteren Verwendungszweck der GBI ist laut Verkehrsministerium noch nicht gefallen. Es gebe mehrere Alternativen, hieß es heute. Die GBI könnte wie bisher als Auffanggesellschaft für Sanierungsfälle weiter bestehen bleiben und zusätzlich für forschungstechnische Zwecke eingesetzt werden, stellte das Verkehrsministerium in Aussicht.

(APA)

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