Prost-Team in der Krise

23. November 2001, 14:59
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Insolvenzverfahren in Paris - Finanzloch von 422 Millionen Schilling

Paris - Die prekäre finanzielle Lage des Formel-1-Teams des viermaligen Weltmeisters Alain Prost spitzt sich weiter zu. Gegen das Formel-1-Team ist am Donnerstag ein Konkursverfahren eingeleitet worden. Das gab das Handelsgericht in Versailles bekannt. Demnach wird das Prost-Team in den kommenden sechs Monaten unter Beobachtung gestellt. Zumindest bedeutet das aber, dass der Rennbetrieb mit 300 Angestellten weitergeführt werden kann.

Klaffendes Finanzloch

Bereits im September hatten die Anwälte Prosts vor einem Finanzloch von über 422 Millionen Schilling (30,7 Mill. Euro) gewarnt. Der 51-jährige Teamchef hatte auf eine Rettung durch arabische Geldgeber gehofft, nachdem er viele Sponsoren verloren hatte. Eine Übernahme durch den Brasilianer Pedro Diniz, seinen früheren Piloten und Geschäftspartner, hat Prost abgelehnt. Laut "L'Equipe" verzichtete der Franzose auch auf ein Angebot des deutschen Bertelsmann-Konzerns, den Rennstall zu unterstützen. Neue Finanziers bzw. Übernahmekandidaten sind derzeit nicht bekannt. Sollte keine Wende eintreten, droht dem Rennstall das Aus.

Frentzen als Pilot?

Prost beendete seine Fahrer-Karriere 1993 nach dem Gewinn seines vierten WM-Titels und 51 Grand-Prix-Siegen in 199 Rennen. 1997 machte er sein eigenes Team auf. Im August vergangenen Jahres verpflichtete Prost den zuvor bei Jordan entlassenen Heinz-Harald Frentzen. Der 33-jährige Deutsche hat seinen Verbleib beim Team von einer finanziellen Konsolidierung abhängig gemacht.

Prost verspricht: "Wir geben nicht auf"

Alain Prost gibt nicht auf. Der vierfache Weltmeister hat noch am Donnerstag bei einer Pressekonferenz am Firmensitz Guyancourt bestätigt, dass er nicht aufgeben wird. "Entgegen zu dem, was ich so lese, werfen wir nicht das Handtuch. Es ist noch nicht vorbei, wir werden weiter kämpfen", sagte Prost.

Schulden eingefroren

Prost will nun einen Plan ausarbeiten, wie er sein Team wieder auf finanziell gesunde Beine stellen kann. "Wir werden die Schulden einfrieren und keinen Penny von Sponsoren- oder TV-Geldern dazu verwenden, Schulden zu zahlen", versprach Prost künftigen Sponsoren. Deren Abhandenkommen machte Prost hauptverantwortlich für die wirtschaftlichen Probleme, die im Jahr 2000 ihren Anfang genommen hätten, nachdem sich Sponsoren und Motorenlieferant Peugeot trotz eines Dreijahresvertrages wegen der mageren Ergebnisse zurückgezogen hatten. Von da an musste Prost für die Motoren (Ferrari) bezahlen, was das Finanzloch noch größer werden ließ.

Prost ist überzeugt, dass Pilot Heinz-Harald Frentzen bleiben will. Ihm sei aber klar, dass der Deutsche Garantien wolle. (APA/Reuters/dpa)

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