Das liebenswerte Ticken

23. November 2001, 16:57
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Gucci und das Handaufzugskaliber Peseux 7001. Gisbert L. Brunner hat genau hingehört

So lange ist es noch gar nicht her, als es beinahe zu den Selbstverständlichkeiten des täglichen Lebens gehörte, nach dem Aufstehen die Armbanduhr erst liebevoll aufzuziehen und dann vorsichtig ans Handgelenk zu schnallen. Viele Menschen erhoben den lebensspendenden Kontakt mit dem kostbaren persönlichen Zeitmesser zu einem echten Ritual. Dann, in den 70er-Jahren war es, mischte sich die dritte industrielle Revolution vehement in diese zeitbewahrende Idylle. In vielen Fällen beendete sie sogar langjährige Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Armbanduhr. Die Segnungen der Elektronik verhießen ein Plus an Präzision und daneben auch ein Mehr an Komfort. Armbanduhren mit Quarzwerk mussten nicht länger aufgezogen werden. Sie verlangten nur ab und zu eine frische Batterie. Sonst eigentlich nichts.

Dafür fehlte ihnen freilich das leise, liebenswerte Ticken, welches der amerikanische Psychologe Charles Levine einmal als "Herzschlag der menschlichen Kultur" bezeichnet hat. Glücklicherweise gab es damals ausgesprochen hartnäckige Zeitgenossen, die sich partout nicht damit abfinden mochten, dass ein bedeutendes Kapitel menschlicher Kulturgeschichte sang- und klanglos zu den Akten gelegt werden sollte. Quarze würden um nichts auf dieser Welt an ihre Handgelenke finden. Mitte der 80er-Jahre kletterte die Zahl der Standhaften. Mangels aktueller Produkte setzte ein beispielloser Boom alter Armbanduhren ein. Die Renaissance mechanischer Zeitmesser ließ verständlicherweise nicht lange auf sich warten.

Für viele Hersteller konventioneller Uhren-Rohwerke war dieser Umschwung Mitte der 80er-Jahre allerdings schon zu spät. Mangels Nachfrage mussten sie ihre Tore für immer schließen und die Uhrmacher nach Hause schicken. Einer davon hieß Peseux. Seine bewegte Geschichte währte von 1923 bis 1985. Was danach blieb, war das 1971 lancierte Kaliber 7001. Es gelangte in die Kataloge der bekannten Rohwerkefabrik Eta. Für die Eta-Verantwortlichen erwies sich das Kaliber Peseux 7001 als besonderer Glücksgriff. Hierbei handelte es sich nämlich nicht nur um ein sehr bewährtes und zuverlässiges Handaufzugswerk, sondern auch um ein relativ flaches. Seine Bauhöhe beträgt gerade einmal 2,5 Millimeter, und damit hält es den Rekord im aktuellen mechanischen Kaliberspektrum der Eta.

Als diese sich seiner im Jahre 1985 annahm, waren von dem 10½-linigen Uhrwerk (Durchmesser 23,7 mm, 17 Steine, insgesamt 55 Komponenten) schon mehr als 2,2 Millionen Exemplare produziert worden. Und dieser beachtliche Wert spricht eindeutig für sich. Solche Größenordnungen erreichen erfahrungsgemäß nur ausgereifte, über jeden Zweifel erhabene Produkte. Die kleine Sekunde bei der "6" weckt beim Betrachten des Zifferblatts nostalgische Gefühle. Und die vergleichsweise gemächliche Unruhfrequenz von 21.600 Halbschwingungen/ Stunde huldigt ebenfalls der Tradition. Wer des Morgens einmal das Aufziehen vergisst, muss übrigens nicht in Panik verfallen. Das Peseux 7001 besitzt eine beruhigende Gangautonomie von 44 Stunden.

Neo-Traditionalisten werden sich aber wahrscheinlich dabei ertappen, dass sie dennoch öfter zur Aufzugskrone greifen als unbedingt erforderlich. Darüber hinaus kommen auch Liebhaber Lehrbuch-gerechten Uhrendesigns auf ihre Rechnung: Die Handaufzugs-Armbanduhr in Stahl oder 18-karätigem Gold (öS 22.000 / EURO 1598,8 bzw. öS 62.950 / EURO 4574,8) signalisiert innere Werte. Klare, reduzierte Linienführung, sachliches Zifferblatt und elegante Zeiger: Mehr braucht es nach Auffassung von Gucci nicht, um einen Klassiker zu kreieren, der das Zeug hat, Modeströmungen und jenem beständigen Wandel, der nun einmal zum Wesen der Zeit gehört, beharrlich zu widerstehen.

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