Symposium soll Lust am Alter machen

22. November 2001, 10:00
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In wenigen Jahren wird ein Drittel der Österreicher über 60-Jahre alt sein

Wien - Schon in wenigen Jahren wird die Gruppe der über 60-Jährigen ein Drittel der österreichischen Bevölkerung ausmachen. Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) veranstaltet dazu am kommenden Wochenende in Wien das Symposion "Die Seele zum Lächeln bringen". Ziel sei, für mehr Lust am und im Alter zu werben, erklärte Mittwochabend die ÖBVP-Präsidentin Dr. Margret Aull.

"Alter soll ein Stück Lebensqualität sein", so Aull. Wer aber in einem Wohnheim lebe, verliere viel von seiner Freiheit und damit auch Lebensqualität. Ein weiteres Problem sei die Frage, "Können wir genießen?". Lesen etwa habe keinen Sinn, weil es nicht produktiv ist.

Man dürfe den Begriff "Lust" nicht von der Jugend ins Alter projizieren, warnte Carlies Leitzinger-Mechtler vom ÖBVP. Für Senioren gebe es einfach andere Qualitäten. Es sei wichtig, sich in der Pension das zu erfüllen, "was man immer wollte" - es sei "ein Traum aufzulösen."

Ein besonders gefürchteter Spruch lautet: "I bin eh nix wert", erklärte Helga Ranzinger vom ÖBVP. Wenn dann die Enkel die Schmutzwäsche vorbei bringen, sei dies ein sozialer Anker. Gerade in der schnelllebigen Zeit ist dies für die Alten besonders wichtig.

Ein besonders heikles Thema ist laut Doris Fastenbauer vom ÖBVP die Sexualität im Alter. Diese Themen wären einfach tabu. Ein schmusendes 80-jähriges Paar löse in der Öffentlichkeit Entsetzen aus. Oft sei daran auch eine Vorstellungsblockade schuld, nach dem Motto "Meine Eltern tun das nicht."

Gerade Heimbewohner hätten mit dem Ausleben ihrer Sexualität große Probleme, so Generationstrainerin Renate Moser. Es fehle einfach an den geeigneten Räumlichkeiten und der Privatsphäre, um Zärtlichkeiten austauschen zu können. Dabei gehe es laut Aull nicht um "phantasielosen Sex", sondern oft nur um Berührungen und Zärtlichkeiten.

Hätte ein Heimbewohner Lust auf Sex - oft als letzten Ausweg auch gegen Geld - sei das Pflegepersonal besonders gefordert, dabei zu helfen, erklärte Moser. Da gebe es noch viel nachzuholen, denn die Schwestern hätten mit dem Anziehen ihrer Tracht ihre eigene Sexualität abgelegt. (APA)

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