Diebische Vögel verstecken ihre Vorräte sorgfältiger

21. November 2001, 21:55
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Verblüffende Schlussfolgerung: sie scheinen das eigene asoziale Verhalten auf andere Individuen projizieren zu können

London - Diebische Rabenvögel verstecken einer neuen Studie zufolge ihre eigenen Futtervorräte sorgfältiger als Artgenossen ohne Erfahrung im Stibitzen. Demnach ist der Buschblauhäher, ein naher Verwandter der Elster, nicht nur ein "Meisterdieb", sondern auch ein Meister im Verstecken. Das berichten die englischen Forscher Nathan Emery und Nicola Clayton von der Cambridge-Universität in "Nature".

Die Wissenschafter machten mit 21 Buschblauhähern (Aphelocoma coerulescens) verschiedene Verhaltenstests: Die Rabenvögel durften einmal ihre Essensvorräte verstecken, wenn kein Artgenosse zusehen konnte, und einmal mit einem Beobachter. Anschließend hatten die Vögel die Möglichkeit, ihre Lager unbeobachtet neu zu vergraben.

Das Ergebnis

Dabei stellte sich heraus, dass nur solche Vögel ihre Vorräte umlagerten, die selber schon geplündert hatten und zudem beim Verbuddeln beobachtet worden waren. Buschblauhäher ohne "diebische Vergangenheit" beließen ihre Vorräte an Ort und Stelle - auch wenn sie beim Einlagern von Artgenossen beobachtet worden waren. Die Forscher folgern daraus, dass die Rabenvögel eigene Erfahrungen im Stibitzen mit der Möglichkeit in Verbindung bringen, zukünftig selbst bestohlen zu werden. Entsprechend variierten sie ihr Verhalten.

Nach Ansicht der Forscher wird bei diesen Experimenten zum ersten Mal gezeigt, dass sich ein Tier an soziale Zusammenhänge in bestimmten Situationen erinnert und sich dementsprechend verhält, um zukünftigen Schaden abzuwenden - nämlich selbst ausgeplündert zu werden. Diese Fähigkeit zur "mentalen Zeitreise" sei bisher lediglich Menschen zugesprochen worden. (APA/dpa)

Vgl. "Nature" (Bd. 414, S. 443)
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    Der Buschblauhäher

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