Das Konzentrations- Lager Neuengamme

21. November 2001, 21:20
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Als das nahe Hamburg schon kapituliert hatte, starben hier noch viele Menschen

Hamburg - 106.000 Menschen aus ganz Europa hatten die Nazis im KZ Neuengamme vor den Toren Hamburgs zusammengepfercht, mehr als 55.000 überlebten die Haft nicht. Noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges starben zahlreiche KZ-Insassen.

Am 21. April 1945 erhängten SS-Leute 20 jüdische Kinder, an denen medizinische Experimente vorgenommen worden waren. Im selben Zeitraum wurden 13 Frauen und 58 Männer wegen Widerstands hingerichtet. Am 3. Mai, dem Tag der Kapitulation Hamburgs, starben 7.000 KZ-Insassen auf Schiffen in der Ostsee vor Lübeck bei britischen Bombardements.

Die Entwicklung des Lagers

Neuengamme war zunächst Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin. 1940 wurde das 70 Hektar große Gelände elb-aufwärts von Hamburg selbstständig und mit 80 Außenstellen eines der größten norddeutschen Lager.

Viele Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen in einem Klinkerwerk auf dem Lagergelände Ziegel herstellen. Andere wurden in der Rüstungsindustrie eingesetzt, mussten die Trümmer von Bombenschäden wegräumen oder Panzergräben bauen.

Die Insassen

Die meisten Häftlinge kamen aus Russland (34.350), Polen (16.900), Frankreich (11.500), Holland (6.900), Dänemark und Belgien (je 4.800) sowie Norwegen (2.200). Ende April 1945 wurden mehrere tausend skandinavische Häftlinge vom Schwedischen Roten Kreuz in Sicherheit gebracht.

Heute befindet sich auf dem ehemaligen KZ-Gelände außer einer Gedenkstätte eine Haftanstalt mit derzeit 300 Strafgefangenen. Sie war 1948 eingerichtet worden. Dies war seit Jahren auf Proteste vor allem der KZ-Überlebenden gestoßen. Diese haben sich in der internationalen Organisation "Amicale" zusammengeschlossen. (APA/dpa)

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