"SPD - Kriegspartei, beim Morden wieder mit dabei"

22. November 2001, 11:14
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Proteste gegen Afghanistan-Einsatz beim Parteitag in Nürnberg - Delegierte applaudierten

Nürnberg - Mit lauten Zwischenrufen und einem Transparent mit der Aufschrift "SPD - Kriegspartei, beim Morden wieder mit dabei" haben sechs junge Demonstranten am Mittwoch den SPD-Parteitag in Nürnberg vorübergehend gestört. Trotz wiederholter Aufforderungen von Familienministerin Christine Bergmann, die Debatte nicht länger zu stören, riefen die sechs weiter ihre Parolen. Zahlreiche Delegierte applaudierten.

Bei den Demonstranten handelte es sich um Schüler aus Jena, sie sich aus Protest gegen das Eingreifen der NATO im Kosovo-Konflikt vor zwei Jahren zusammengeschlossen hatten. Die Jugendlichen waren mit Gästekarten in den Saal gelangt. Ordner und Sicherheitskräfte zerrten die Demonstranten nach einer Viertelstunde aus der Messehalle und nahmen ihnen die Gästekarten ab.

"Wenn ein Krieg geführt wird, kann nicht auf einem Parteitag Normalität gefeiert werden", sagte eine der Demonstrantinnen. Gesprächsangebote von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und anderen SPD-Politikern lehnten sie ab.

Schröder ruft Grüne zu Unterstützung auf

SPD-Chef und Bundeskanzler Gerhard Schröder fordert unterdessen die Grünen vor ihrem Parteitag am Wochenende in Rostock erneut zu einer klaren Unterstützung der Afghanistan-Politik der Regierung auf. Schröder sagte am Mittwochabend am Rande des SPD-Parteitags in Nürnberg, er habe die Erwartung, dass die Grünen in ähnlicher Weise für Klarheit sorgen würden wie die SPD.

Aus der Bundestagsfraktion der Grünen wurde dagegen ein eindeutiges Votum der Delegierten gegen einen Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan gefordert. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) appellierte an die Basis der Grünen, auf dem Parteitag in Rostock "endlich" Verantwortung zu übernehmen. (APA/AP/Reuters)

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