Verführung mit dem Laser

21. November 2001, 19:36
posten

Kiki Serors "public seduction" bei "zürich kosmos laser art"

Wien - Gibt es etwas, das Sie nicht über sich wissen? Wovon sind Sie zwei Stunden entfernt? Was war Ihr erster sexueller Gedanke? Drei von zehn Fragen, die Sigmund Freud an Patientinnen wie Dora, der Schwester von Otto Bauer, stellte, "trocken und direkt". Diese Fragen, in dieser speziellen Formulierung ins Heute übertragen von der Künstlerin Kiki Seror, bilden den Hintergrund für ihre im Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche sowie (nur bis 25. 11.) im Sigmund-Freud-Museum inszenierte public seduction.

Unter diesem Titel hat die 31-jährige US-Amerikanerin im Rahmen des von Robert Wilson begonnenen Projekts zürich kosmos laser art diese Fragesätze, die in der Tradition der Truisms von Jenny Holzer oder von Barbara Krugers Wortspielen stehen, als 3-D-Schriftanimation übersetzt. Seror bleibt jedoch nicht am historischen Boden, sondern verbindet das Thema dieser "Gesichtslosigkeit" mit neuen Kommunikationstechnologien, sprich: mit Umgangsformen im Internet. Die Freudschen Fragen stellte sie im Chatroom www.public seduction.com, und die kurzen Antworten lässt sie in der Animation mit rotem Laser, diesem, so Seror, "fragilen und linearen Medium", aufblitzen. Die Typographie, die sämtliche grafische wie animatorische Standardversionen durchspielt, kommt daher wie in aufgemotzten, dramatischen Vorspännen zu Hollywood-Blockbustern.

Es ist mehr als eine banale grafische Übung, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint, sie geht - in der dunklen, intimen Abgeschiedenheit des Vorführungs-Containers - über das rein Persönliche hinaus; eben so, wie Personen in Chats sich, wie Seror auch, als Dora, Barbarella oder auch in einer männlichen Rolle inszenieren. Anders als die Avatare, Stellvertreter der eigenen Person in Computeranimationen, leben diese Figuren rein auf der Ebene der Sprache. Barbara Steffen, die Kuratorin des langjährigen laser art-Projekts, hat gut daran getan, diese Ebene zu integrieren und nach der Prominenz auch Jüngeren, Unbekannteren das Terrain zu überlassen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 11. 2001)

 Von
  Doris Krumpl



WEB-TIPPS:

LaserArt.at

Public Seduction.com

Bis 16. 12.
im Container in
Wien 9,
Sigmund-Freud-Park,
11-19 Uhr;
ab Dämmerung am ZK-Gebäude,
Wien 2.,
Lassallestr. 7
Share if you care.