"Bauen Damm auch allein"

21. November 2001, 19:16
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Ilisu-Projekt der VA Tech in der Türkei wackelt bedenklich

Wien - Ankara werde den heftig umstrittenen Ilisu-Staudamm im Kurdengebiet Anatoliens notfalls von türkischen Firmen bauen lassen, falls das "ausländische Konsortium der VA Tech das nicht machen kann", sagt der türkische Energiestaatssekretär Yurdakul Yigitgüden im STANDARD-Gespräch. Der Linzer VA Tech AG, die das Projekt 1999 durch den Kauf der schweizerischen Escher Wyss (vormalig Sulzer) übernommen hat, droht nach dem Ausstieg der schwedischen, britischen und italienischen Konsortialpartner - wie berichtet - ein Milliardendeal durch die Lappen zu gehen.

Es seien bereits 15 Milliarden Dollar (225 Mrd. S/16,35 Mrd. EURO) in das gesamte Südostanatolien-Projekt investiert worden, so Yigitgüden. Der Ilisu-Damm sei der letzte der geplanten 22 großen Staudämme an Euphrat und Tigris und genieße Priorität, auch wenn es aufgrund "der Wirtschaftskrise zu Bauverzögerungen von einigen Jahren" kommen werde.

Ökologische Risiken

Die von Umweltschutzgruppen wie WWF, Friends of the Earth, oder Greenpeace angeprangerten ökologischen Risiken sowie die Problematik der Umsiedlung Tausender Kurden wischt Yigitgüden vom Tisch: "Wir brauchen die Energiebereitstellung und die Infrastruktur, damit auch unsere Menschen zu Wohlstand kommen. Es wurden bisher schon 330.000 Leute ohne Probleme umgesiedelt. Das läuft überall in der Türkei genau nach Plan."

Auch den Wasserkonflikt mit Syrien und Irak sieht Yigitgüden gelöst: "Syrien sucht nun engen Kontakt zur Türkei und hat ein Angebot unterbreitet, gemeinsam an der Grenze neue Wasserkraftwerke zu bauen." Sollten aber internationale Organisation helfen wollen, die archäologischen Schätze der Region zu retten, "werden wir gerne mit ihnen zusammenarbeiten." (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 22.11.2001)

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