Lob für heimische Sozialstandards

21. November 2001, 19:24
posten

EU-Kommission verteilt gemischte Noten für Wettbewerbskriterien

Brüssel - Österreichs Arbeits-und Industriewelt ist im EU-Vergleich gekennzeichnet durch sehr gute Standards im sozialen Bereich oder beim Umweltschutz. Was die Investitionen in die Forschung, die Ausbildung und Innovation als Indikatoren für künftige Wettbewerbsfähigkeit betrifft, liegt es nur im Mittelfeld. Aber bei Energie- oder Telefonkosten gehört das Land zu den teuersten Standorten in der EU. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es (auf gutem Niveau) eine langjährige Stagnation bei der Beschäftigung von Frauen und beim (Früh-)Pensionsalter.

Dies sind die markantesten Merkmale in einem von der EU-Kommission erstellten und noch unveröffentlichten Bericht über den "Lissabon-Prozess", ein Programm, das im Frühjahr 2000 beim EU-Gipfel in Gang gesetzt wurde. Als Ziel wurde damals festgeschrieben, dass die EU bis 2010 die wettbewerbsfähigste Wirtschaft der Welt realisieren will und die USA bei der Produktivität überholen will.

Strukturindikatoren

Mehr als dreißig "Strukturindikatoren" hat die Kommission in den vergangenen Monaten erarbeitet, die nun regelmäßig für jedes Land erhoben werden. Ein Querschnittsvergleich aller EU-Länder soll dazu führen, dass die einzelnen Staaten ihre Schwächen besser identifizieren können.

Es zeigt sich dabei zum Beispiel, dass Österreich bei der Produktivität pro Arbeitsstunde genau im EU-Durchschnitt liegt. Während die Arbeitslosenrate mit unter vier Prozent zu den Spitzenwerten zählt, liegt die Beschäftigtenrate seit 1995 praktisch unverändert knapp unter 70 Prozent. Das ist EU-weit zwar ein sehr guter Wert. Aber andere Länder wie Luxemburg und die Niederlande, die auch eine sehr geringe Arbeitslosigkeit haben, verzeichnen deutlich höheren Zuwachs an Beschäftigung, mit der Folge stärker steigenden Bruttosozialprodukts. Ein besonderes Problem ist die hohe Zahl an Frühpensionierungen, wo Österreich im Spitzenfeld liegt.

Resistenzen

Überraschend trotz der starken Liberalisierung im Telekomsektor ist der Umstand, dass die Telefonkosten in Österreich zu den zweitteuersten in der Union gehören. Dasselbe gilt bei den Energiepreisen, wo nur noch Italien teurer ist. (tom, DER STANDARD, Printausgabe 22.11.2001)

Share if you care.