"Traiskirchen hat genug"

21. November 2001, 19:21
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Windholz (FP) auf Lokalaugenschein: Klagen über illegale Übernachter im Lager

Traiskirchen - Vom Zaun an der Lagerhinterseite aus ist nur ein einziges Exekutivorgan in Sicht, und das hält still: Vinzenz 2, der Pappgendarm, schiebt in der Theuerstraße, wo die Schulkinder vorbeikommen, Wache.

Vor allem nachts lasse die Überwachungsdichte am Gatter zu wünschen übrig, klagt der Traiskirchner SP-Gemeinderat Thomas Zinnbauer. "Da happen die Leut' dutzendweise rüber, um im Lager zu übernachten. Alles Flüchtlinge, die dort gar nicht registriert sind", erzählt er. Und jeden Morgen um halb sieben müssten Gemeindebedienstete den Park bei der Volksschule absuchen. Um Heroinspritzen zu entfernen, die dort im Gras lägen, weil, wie es heißt, "im und ums Lager gedealt wird".

"Warum sollen wir alles fressen?"

"Traiskirchen hat genug", meint Zinnbauer. Seit 1956 erfülle die Stadt die Pflicht, Verfolgte aus anderen Ländern aufzunehmen: "Warum sollen wir Traiskirchner alles fressen?", fragt er. Angesagt sei "die Schließung des Flüchtlingslagers" und die Aufteilung der offiziell derzeit 852 Flüchtlinge in Privatpensionen, wie es nach der Rumänienkrise in den 90er-Jahren praktiziert worden sei.

Das will Niederösterreichs FP-Landesparteiobmann Ernest Windholz keineswegs. "Reine Spiegelfechterei" sei die Aufteilungsidee, eine "Abschiebetaktik" wie die im Innenministerium derzeit gewälzten Privatisierungspläne für Bundesbetreuungseinrichtungen (DER STANDARD berichtete), betonte er bei einer Pressekonferenz. "Asylsuchende betreuen gehört zu den Kernaufgaben des Staates", der dieser, wenn nötig, mit Strenge und raschen Ausweisungen nachzukommen habe.

Lokalaugenschein: "Nicht sehr schön"

Davor war er gemeinsam mit Landes-FP-Klubobfrau Barbara Rosenkranz auf "Lokalaugenschein" innerhalb des Zauns gegangen. Im Hauptgebäude, wo sich bis zu 20 Menschen einen Raum teilen, sei es "nicht sehr schön", berichtete Rosenkranz mit gerümpfter Nase. Obwohl: "Der Zustand in einem Zimmer hängt auch immer von den Insassen ab."

Nicht umsonst also hatte Traiskirchens Bürgermeister Fritz Knotzer (SP) vor "Fremdenfeindlichkeit" gewarnt. Und auf die fraktionsübergreifenden Forderungen aus Traiskirchen hingewiesen, die er am 13. November Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) übermittelt hatte: Die Zahl der Asylwerber im Lager müsse rasch auf 500 gesenkt werden, auf den geplanten Lagerausbau für 3000 Menschen müsse verzichtet werden. Antwort, so Knotzer, habe er bisher aber keine erhalten. (derstandard, print-ausgabe,22.11.2001)

von Irene Brickner
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