Taliban hinterließen bei Abzug aus Kabul zwei bosnische Pässe

21. November 2001, 18:49
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Islamabad dementiert Aufenthalt Bin Ladens in Pakistan

Sarajewo/Kabul - Vertreter der Nordallianz in Afghanistan haben bei ihrem Einmarsch in Kabul in einem von Taliban verlassenen Haus neben anderen Dokumenten zwei bosnische Pässe gefunden. Nach Angaben des Ministerpräsidenten der moslemisch-kroatischen Föderation in Bosnien-Herzegowina, Alija Behmen, gehören die Papiere zwei Personen aus islamischen Ländern, die im Bosnien-Krieg an der Seite der bosnischen Moslems gekämpft haben und danach im Lande geblieben sind. Die ihnen ursprünglich verliehene bosnische Staatsangehörigkeit sei ihnen später entzogen worden.

Die beiden Männer sind vorerst die letzten in einer Reihe von Fällen, in denen Verbindungen zwischen in Bosnien eingebürgerten Moslems und islamischen Terroristen festgestellt wurden. Nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA hat die Regierung in Sarajewo begonnen, die in den letzten zehn Jahren eingebürgerten Ausländer zu überprüfen. Viele kämpften im Krieg 1992-95 auf moslemischer Seite gegen die serbische Aggression. In der letzten Woche wurden 94 Einbürgerungen widerrufen.

Regierungssprecher: Bin Laden war noch nie in Pakistan

Die in Bosnien stationierte Friedenstruppe SFOR hatte zuletzt Ende Oktober nach eigenen Angaben Anschläge von islamischen Terroristen auf ihre Militärbasen vereitelt. Dabei wurde ein Kontaktnetz islamistischer Extremisten zerschlagen. SFOR-Kommandant General John Sylvester würdigte am Mittwoch die Zusammenarbeit mit den bosnischen Behörden.

Die pakistanische Regierung dementierte unterdessen Berichte, wonach der mutmaßliche Terrordrahtzieher Osama bin Laden über Verstecke in ihrem Land verfüge. Der "Innenminister" der Nordallianz, Junis Kanuni, hatte erklärt, Bin Laden halte sich gegenwärtig im Süden Afghanistans auf, reise jedoch "manchmal nach Pakistan, wo er ebenfalls Verstecke hat". Ein pakistanischer Regierungssprecher dementierte diese Aussagen umgehend: Bin Laden sei noch nie in Pakistan gewesen. Andernfalls wäre er sofort festgenommen worden. (APA/AP)

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