"Kleine Zeitungen sperren zu"

21. November 2001, 18:45
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Prognos-Experte nennt FP-Förderungsmodell "widersinnig"

Wien - Nur auf den ersten Blick findet sich Josef Trappel in den FP-Reformvorschlägen für die Presseförderung wieder. Schon beim zweiten sieht er für kleinere Zeitungen "bei der wirtschaftlichen Lage und verteuerten Posttarifen betriebswirtschaftlich nicht mehr erträgliche Bedingungen". Der Experte des Schweizer Prognos-Instituts, der für diese und die vorangegangene Regierung Reformpapiere dazu verfasste: "Das heißt, sie sperren zu."

Kleinere seien mangels eigener Zusteller auf die Post angewiesen. Deren Tarife steigen ab 2002 massiv. Trappel: "Das heißt, ich muss Presseförderung gerade für diese Zeitungen erhöhen."

Marktführer sollen gefördert werden

Das FP-Papier legt, DER STANDARD berichtete, das Schwergewicht einer - insgesamt gekürzten - Presseförderung auf die Subvention von Zeitungsvertrieben. Das entspricht noch Trappels Vorschlägen. Der FP-Entwurf aber lehnt "marktregulierende" Ambitionen ab. Im Gegensatz zu VP-Plänen sollen Marktführer gefördert werden wie Finanzschwache.

"Ein solches Modell ist vielleicht politisch verträglich, aber wirtschaftlich nutzlos", sagt Trappel im Gespräch mit dem STANDARD.

Auch politisch nicht: In der FP will man das Papier nicht kommentieren. Die ÖVP könne nun auch ihr Modell vergessen, hieß es.

Trappel grundsätzlich: "Wichtig ist, dass man die jeweiligen Marktführer von der Förderung ausschließt." Denn: "Der Markt begünstigt den Marktführer überproportional. Für viele Anzeigenkunden ist es günstiger, bei ihm Anzeigen zu schalten als bei drei kleineren Titeln. Ihn auch noch zu subventionieren ist widersinnig." Da könne man "gleich beim alten Modell bleiben".

Das schlägt die FPÖ für 2002 vor - bei merklich gekürzter Fördersumme.

Die zweite Säule im FP-Papier - Förderung von Journalistenausbildung - kann Trappel grundsätzlich nachvollziehen.

Deutlich weniger indes die dritte, wenngleich die Stichworte im Regierungsübereinkommen stehen: Mit 41 von vorgeschlagenen 205 Millionen Schilling (15 Mio. EURO) jährlicher Presseförderung will die FPÖ einen "Fonds für Neugründungen, Management-Buyouts" speisen. Trappel: "Die paar Millionen staatliches Geld für höchst risikoreiche Projekte wie Zeitungsgründungen sind völlig daneben." Ob der wirtschaftlichen Größenordnungen im Medienmarkt wäre das eine "völlig unrealistische Förderung". (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 22. November 2001)

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