Simbabwe: Attacke gegen Auslandskorrespondenten - Abfuhr für EU

23. November 2001, 21:17
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Regierungssprecher: Journalisten seien "Terroristen"

Harare - In Simbabwe eskaliert die Lage im Vorfeld der Wahlen im Frühjahr 2002 immer mehr. Während eine Delegation der EU am Freitag mit ihrer Forderung nach internationalen "Mindest-Standards" für den Wahlgang eine Abfuhr erhielt, wuchs der Druck auf kritische Medien. Die Regierung von Präsident Robert Mugabe setzte Auslandskorrespondenten wegen ihrer Berichterstattung mit "Terroristen" gleich. Im staatlich kontrollierten "Herald" warf ein ungenannter Regierungssprecher Korrespondenten, auch dem dpa-Mitarbeiter in Simbabwe, "grobe und obszöne" Tatsachen-Verfälschung vor. Die mit vollem Namen genannten Journalisten seien Helfer von Terroristen.

Der belgische Außenminister Louis Michel erklärte am Freitag in Harare, die Beziehungen zwischen der EU und Simbabwe seien an einem "kritischen Punkt" angelangt. Michel, dessen Land turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft innehat, hatte Mugabe gemeinsam mit dem EU- Beauftragten für Außenpolitik, Javier Solana, sowie EU-Außenkommissar Chris Patten gesprochen. "Wir haben nur die Themen auf den Tisch gelegt, und schon gab es eine sehr brutale Reaktion", erklärte Michel später. "Wir hatten wirklich keine Gelegenheit für einen konstruktiven Gedankenaustausch." Die Troika befindet sich auf einer Tour durch fünf Staaten.

"So genannte Auslandskorrespondenten"

In der Attacke gegen Journalisten hatte der Regierungssprecher erklärt: "Es ist nun ein offenes Geheimnis, dass diese Reporter Tatsachen nicht nur verdrehen, sondern Terroristen helfen, die sich vor unseren Gerichten wegen Entführung, Folter und Mord verantworten müssen." Die Regierung in Harare hatte kürzlich Mitglieder der Oppositionsbewegung für Demokratischen Wandel (MDC) als Terroristen bezeichnet. Unabhängige nationale und ausländische Medien hatten berichtet, dass Weiße und MDC-Anhänger als Vergeltung für einen der MDC angelasteten Mord an einem Anführer von Mugabes Veteranen-Miliz misshandelt worden seien. Harare hatte die MDC vor einem "Blutbad" als Vergeltung für den Mord gewarnt. Diese dagegen hatte eine Verstrickung in die Tat bestritten.

Präsident Robert Mugabes Regierung sei sich des moralisch verwerflichen Verhaltens "der so genannten Auslandskorrespondenten" bewusst und darüber sehr besorgt, betonte der Sprecher. "Wir würden die Korrespondenten gerne wissen lassen, dass wir mit (US-)Präsident George Bush darin übereinstimmen, dass ein jeder, der in irgend einer Weise Terroristen finanziert, sie beherbergt oder in Schutz nimmt, selbst Terrorist ist; auch wir werden keinen Unterschied zwischen Terroristen und ihren Freunden oder Unterstützern machen."

Der seit 21 Jahren regierende Mugabe (77), der trotz politischem und wirtschaftlichem Chaos im Lande seine Wiederwahl im kommenden Frühjahr anstrebt, erlässt zunehmend repressivere Gesetze. Zuletzt hatten die Behörden wiederholt unabhängige Medien einzuschüchtern versucht, Journalisten festgenommen und ausländische Korrespondenten ausgewiesen oder ihnen die Arbeitserlaubnis verwehrt. Nicht regierungstreue Journalisten werden als MDC-Unterstützer verdächtigt. (APA/dpa)

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