Antiquitäten und "Kircherl" als Lichtblick

22. November 2001, 11:59
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Wiener Kunstauktionen mit Gemälden erfolgsarm

Wien - Mit einem Umsatz von 12,7 Millionen Schilling ist Mittwoch im Palais Kinsky der zweite Tag der 36. Wiener Kunst Auktionen bei den Antiquitäten tröstlicher verlaufen als der matte Auftakt mit den Gemälden.

Dank ausländischer Bieter, die mit ihrem Engagement für das rare Bild sorgten, dass der Antiquitäten-Umsatz höher war als jener der Bilder, die im Wesentlichen nach wie vor auf die heimischen Interessenten bauen müssen, resümieren die Wiener Kunst Auktionen in einer Aussendung. Insgesamt wurden an beiden Tagen der 36. Kunstauktion 22,3 Millionen Schilling umgesetzt.

Nicht weniger als elf internationale Bieter hatten Telefonleitungen geordert, um sich an der Versteigerung eines Paars Louis XV-Porphyr-Deckelvasen (um 1750) zu beteiligen. Der Zuschlag für das mit 150.000 - 250.000 Schilling taxierte Vasenpaar fiel bei 980.000 Schilling, was für den deutschen Sammler einen Kaufpreis 1,195 Millionen S bedeutet. Zum umkämpftesten Los des Tages wurde eine deutsche Achatschale (15. Jahrhundert), die beim Mindestverkaufspreis von 15.000 in die Auktion ging. Nach Bietgefechten, bei denen die Gebote in mehren Sprachen durch den Saal schwirrten, erfolgte der Zuschlag erst bei 390.000 Schilling/Kaufpreis 475.000 S, dem 31-fachen Ausrufpreis, an einen englischen Händler.

Zwei Prunkvasen aus St. Petersburg wurden bei geschätzten 150.000 - 250.000 Schilling von einem deutschen Interessenten um 585.000 Schilling (brutto) gekauft. Ein Bieter in New York sicherte sich gegen viel Konkurrenz eine Moschee-Ampel von Lobmeyr zum Kaufpreis von 377.600 Schilling. Die teuerste Skulptur, eine gotische Madonna mit Kind, wird künftig einen amerikanischen Kunstliebhaber erfreuen (beim Kaufpreis von 431.000 Schilling). Bei den Möbeln erfuhr ein Directoire-Nähtischchen (um 1790) die höchste Steigerung, das bei einem Mindestverkaufspreis von 20.000 Schilling auf 95.000 Schilling Hammerpreis/112.000 Kaufpreis kletterte; es wurde nach Deutschland verkauft.

Mit 190.000 S (231.000 S Endpreis) Erlös wird dagegen ein Narwalzahn mit der stattlichen Länge von 2,34 Meter in Österreich bleiben. Immerhin.

"Auracher Kircherl" als Lichtblick

Mit einer Verkaufsrate von gerade nur 44 Prozent waren die Gemälde des ersten Tages eine Enttäuschung.

Der höchste Zuschlag des Abends wurde einem Sammler aus den USA erteilt. Alfons Waldes "Auracher Kircherl" - auf 700.000 bis 900.000 Schilling geschätzt - wurde beim Meistbot von 1,2 Millionen Schilling und damit zum Endpreis von 1,557.000 Schilling einem Telefonbieter verkauft. Max Liebermanns "Papageienmann" war in der Mitte des Schätzpreises um 1,220.000 Schilling (Bruttopreis) verkauft worden.

Ein Blumenarrangement aus dem Umkreis Jan Brueghel d.Ä. stieg über den Schätzpreis von 200.000 bis 300.000 Schilling hinaus auf 870.000 Schilling (1,061 Millionen S Kaufpreis). Der belgische Sieger des Bietgefechtes dürfte wohl von einer Zuordnung an den älteren Brueghel überzeugt sein.

Auch zwei auf 250.000 bis 350.000 S geschätzte Venedig-Veduten von Giuseppe Bernardino Bison fanden viel Interesse und Gebote bis 550.000 Schilling (Kaufpreis 671.000), die Pendants gehen nach England. Doch weder für Angelika Kauffmanns Porträt der Lady Louisa Macdonald noch für Jean Etienne Liotards "Bildnis der jungen Kaiserin Maria Theresia" gab es Nachfrage, auch nicht für Augustino Beltranos "Elias und die Witwe von Sarepta" aus der Sammlung Otto Petznek. Auch Alfons Waldes "Bauernwirtsstube" erreichte nicht das Limit. (APA)

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