Im Bann des "Everyday Life"

21. November 2001, 16:22
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Dorit Margreiter's gleichnamige Ausstellung in der Tiroler Landesgalerie

Dorit Margreiter untersucht das "Alltägliche", das "Alltagsleben" im Hinblick auf jene Bedingungen, die die Moderne geschaffen hat. Umrissen werden können jene Verhältnisse mit den Auswirkungen der Industrialisierung, Technologisierung, Urbanisierung, Mediatisierung und der Globalisierung. Der englische Titel "Everyday Life" ist dabei bewusst gesetzt, um auf die allgemeine Verbindlichkeit und Dominanz der englischen Sprache in der Film- und Medien-Industrie sowie in der Informationstechnologie zu verweisen, die zu den wirkungsmächtigsten Faktoren der Globalisierung zählen.

Everyday Life

Margreiter untersucht in "Everyday Life" den Einfluss der Film- und TV-Industrie auf verschiedene Konstruktionsmodelle von Wirklichkeit im Zusammenhang mit zeitgenössischen Konzepten des Urbanen und in Bezug auf das "Alltagsleben".

Dabei bedient sie sich mehrerer zeitlich unterschiedlicher Modelle: Zum einen bezieht sie sich auf spezielle Modelle der "klassischen" Moderne - aus der Architektur (z.B. das 1947 erbaute "Case Study House #22", in Los Angeles) oder aus dem Hollywood-Kino, (z.B. das vornehmlich aus Western berühmte "Monument Valley"), die mit symbolisch hoch besetzten Versprechungen der Moderne (das "heroische Haus", die einsame, grandiose "Natur") verbunden sind. Solche "klassischen" Modelle verknüpft Margreiter mit Modellen des "Everyday Life" von heute: Die Welt der Werbung, der Waren, wie z.b. der Kosmetik, und - eine andere Form der Unterhaltungsware -, die weltweit ausgestrahlten US-Fernsehserien, sogenannte "Soap Operas" und "Sitcoms".

Der "Space Off": Ein nicht sichtbarer Raum

Margreiter nimmt bestimmte Begriffe und Verfahren sowohl aus dem Architektur- und Designbereich als auch aus dem Film- und TV-Genre auf, um deren formale wie auch inhaltliche Komponenten für ihre Beschreibung der medialen Konstruktion von Wirklichkeit zu nutzen: Ein filmischer Begriff ist der "Space Off", der Raum, von dem aus eine Szene gefilmt wird, der aber selbst im Film nicht sichtbar ist. Der "Space Off" wird bei Margreiter zur Metapher für den dem Publikum verborgenen Gesamtkontext, der das käufliche oder im TV konsumierbare Produkt mitbestimmt, wie z.B die nicht öffentlich gemachten Werbestrategien eines Kosmetikkonzerns, der seine Produkte werbemäßig auf bestimmte Gruppen oder Schichten von KonsumentInnen ausrichtet, wobei Margreiter zeigt, dass diese Gruppen oder Käuferschichten mittels der Werbestrategien überhaupt erst kreiert werden. (Das Produkt "City Block" z.B. richtet sich dann an die dem Großstadtstress ausgesetzte "urbane Frau".)

Dabei ist es Margreiter wichtig zu zeigen, wie die Realität der Informationstechnologie, des Designs, der Medien-, Werbe- und Warenwelt das "Everyday Life" durchdringt, ja überhaupt erst zum strukturierenden Faktor dessen wird, was Henri Lefebvre "das Konzept des Alltäglichen" genannt hat. Es ist ein Konzept, das nach seiner Analyse nur die Moderne hervorgebracht hat.

Erstmalig zeigt Margreiter die Arbeit "Everyday Life" (2001), eine mehrteilige Video- Installation, ausgerichtet für die im Untergeschoß liegende Halle der Galerie im Taxis- palais. In dieser Arbeit beschäftigt sich die Künstlerin mit verschiedenen Personen, die sie "hinter" der Architektur von Los Angeles aufspürt und nach ihren Vorstellungen vom "idealen Wohnen" befragt. Sie spricht mit Architekten, Historikern, TheoretikerInnen und HausbesitzerInnen über deren persönliche, historische und politische Ansichten, die auch über die Architektur - und deren idealisierte Form -, die sie bewohnen, Auskunft geben bzw. dieser widersprechen. Architektur erweist sich hier als Fassade, wo das, was sich dahinter befindet, völlig vom Außen getrennt ist.

Zur Person:

Dorit Margreiter (geb. 1967) studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Die Ausstellung in der Galerie im Taxispalais ist ihre sechste Einzelausstellung. Sie erhielt mehrere Preise (1999 den Hilde Goldschmidt Preis, 2000 den Georg Eisler Preis) und wirkte u.a. bei den Ausstellungen "White Cube/Black Box", "Shopping" (Generali Foundation), "100 Jahre Secession" (Secession Wien), "hers" (Steirischer Herbst 2000), "Urban Realities" (Kunsthalle Szombathely in Ungarn)und "Schnittstelle/Produktion" (Shedhalle Zyrich) mit. (red)

Dorit Margreiter
Everyday Life
Eröffnung:
Fr.,23.Nov. 2001,
18.30 Uhr
24.11.2001-13.01.2002

Galerie im Taxispalais -
Galerie des Landes Tirol
Maria- Theresienstr.45
A-6020 Innsbruck

Rahmenprogramm:
Anette Baldauf/Dorit Margreiter
"Die Stadt als Filmset", Vortrag
Do., 6.12.2001
19.00 Uhr

FSK, Konzert
Di.,8.1.2002

Galerie im Taxispalais
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