Studie beweist: Seelische Störungen bei Jugendlichen werden unterschätzt

21. November 2001, 12:08
1 Posting

Bei 29 Prozent wurde Abhängigkeit von Nikotin, Alkohol oder Drogen diagnostiziert

München/Düsseldorf - Das Ausmaß seelischer Störungen bei Jugendlichen wird nach Expertenmeinung weitgehend unterschätzt. Unter den 14- bis 17-jährigen haben 55 Prozent bereits einmal in ihrem Leben unter Depressionen, Angsterkrankungen, psychisch bedingten körperlichen Störungen, einer Suchtform oder Ess-Störungen gelitten. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Max-Planck-Institutes in München, die am Mittwoch auf dem Ärzte-Kongress der Düsseldorfer Medizin-Fachmesse Medica vorgestellt worden ist. Für die Untersuchung waren 1.400 junge Leute sowie deren Eltern interviewt worden.

Bei 29 Prozent der Jugendlichen wurde eine Abhängigkeit von Nikotin, Alkohol oder Drogen diagnostiziert. Bei 28 Prozent lag nach den Untersuchungsergebnissen eine Angststörung vor, bei 14 Prozent eine Depression und zwei von Hundert litten unter Ess-Störungen. Häufig seien bei den Kindern und Jugendlichen auch mehr als nur eine psychische Störung nachzuweisen gewesen, erklärten die Experten. Der Würzburger Psychotherapeut Prof. Gerhardt Nissen riet den behandelnden Ärzten, den Jugendlichen zunächst ruhig zuzuhören, ihre Beschwerden weder zu dramatisieren noch zu bagatellisieren, sondern sie zunächst organisch abzuklären. Bei extremer Schulangst müsse ein Facharzt den Grund klären. Dies könnten Trennungsangst von der Mutter oder die Angst vor Versagen im Unterricht sein, sagte Nissen. Versuche der Eltern, dem Kind mit Hilfe ärztlicher Atteste aus der Patsche zu helfen, verschleppten das Problem nur, ohne es wirklich zu lösen. (APA/dpa)

Share if you care.