Wiener Ärztechef warnt vor "vertragslosem" Zustand

21. November 2001, 11:22
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Dorner: In Verhandlungen mit Kasse zumindest Inflationsabgeltung sicherstellen

Wien - In Wien könnte ein vertragsloser Zustand zwischen Gebietskrankenkasse und den Ärzten drohen. Davon warnte der Wiener Ärztekammerpräsident Walter Dorner in einer Aussendung. Denn der Kammer-Vorstand habe bei einer Sitzung am Dienstagabend auch über eine Vertragsbeendigung gesprochen. "Sollte der Gebietskrankenkasse nicht jenes Geld zur Verfügung gestellt werden, um in den Verhandlungen mit den niedergelassenen Ärzten zumindest eine Inflationsabgeltung sicherzustellen, dann haben wir wohl keine andere Möglichkeit", meinte Dorner.

Der Ärztechef sprach von einem "Crash, den niemand will, der aber unausweichlich ist, sollten die ins Stocken geraten Verhandlungen von politischer Seite nicht angekurbelt werden". Bereits im Jahr 2000 habe sich die niedergelassene Ärzteschaft in Wien mit einer Tarifanhebung von durchschnittlich 0,8 Prozent zufriedengegeben. "Falls die Wiener Gebietskrankenkasse das gleiche Spiel auch für heuer plant, dann wird der Weg an einer Vertragsbeendigung wohl nicht vorbeigehen", betonte Dorner.

Die Zeit wird knapp

Noch habe der Vorstand keinen endgültigen Beschluss gefasst, "der Vertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse läuft aber mit Ende des Jahres aus, und jeder kann sich leicht ausrechnen, dass da nicht mehr viel Zeit für eine Vertragsverlängerung bleibt", so Dorner. Jedenfalls werde man bereits in den nächsten Tagen Gespräche mit den Banken zur finanziellen Absicherung der niedergelassenen Ärzteschaft in Wien führen.

Die Schuld am bisherigen Scheitern der Verhandlungen sieht Dorner laut eigenen Angaben weniger bei den Krankenkassen, sondern eher auf politischer Seite, "wo massivst eine brutale Sparpolitik am Rücken des Patienten gefahren wird". Der Ärztechef weiter: "Durch die stereotype Weigerung, eine Beitragserhöhung für die Krankenkassen überhaupt nur anzudenken, werden die Kassen finanziell ausgetrocknet. Diese müssen dann den Belastungsball an uns weitergeben. Auf der Strecke bleiben die Ärzte sowie die medizinische Versorgung der Patienten." (APA)

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