Polizist erschoss griechischen Roma: Genaue Untersuchung gefordert

21. November 2001, 17:28
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Ungereimtheiten bei Tathergang

Wien - Die Menschenrechtsorganisation European Roma Rights Center (ERRC) hat in einem offenen Brief an den griechischen Justizminister Philipos Petsalnikos ihre Besorgnis über den Tod eines griechischen Roma ausgedrückt, heißt es in einer Aussendung des ERRC am Dienstag. Ein Polizist hatte den 21-jährigen Mann am 24. Oktober in der Region Attika bei einer routinemäßigen Verkehrskontrolle erschossen, weil er nicht angehalten, sondern mit seinem Auto auf die Streifenpolizisten zugefahren sei. Der Polizist, der die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuß.

Nach einem gerichtsmedizinischen Bericht soll der tödliche Schuss das Opfer am Hinterkopf getroffen haben, was darauf hindeute, dass der Polizeioffizier erst geschossen habe, nachdem das Auto an ihm und seinen Kollegen vorbeigefahren war, so das ERRC. Darauf deute auch die Tatsache hin, dass der Beamte angeblich wegen versuchten Mordes angeklagt worden sei.

"Gründliche und unparteiische Untersuchung"

Die Roma-Organisation fordert in ihrem Brief den Minister auf, eine "gründliche und unparteiische Untersuchung" in diesem Fall durchzuführen, alle Schuldigen "im vollen gesetzlichen Umfang" zu verfolgen und für eine Entschädigung der Angehörigen des Opfers zu sorgen. Darüber hinaus sollten die politisch Verantwortlichen anlässlich dieses Falles "explizit anerkennen", dass Polizeimisshandlungen an Roma in Griechenland ein "ernstes Problem" darstellen und einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt an Roma beschließen.

Das European Roma Rights Center ist nach eigenen Angaben eine internationale Interessenorganisation, die die Menschenrechtssituation der Roma in Europa beobachtet und Opfern von Menschenrechtsverletzungen Rechtshilfe leistet.

In Griechenland leben nach Angaben der Nicht-Regierungsorganisation GHM (Griechischer Helsinki-Monitor) zwischen 300.000 und 350.000 Roma. Die Regierung schätzt die Zahl auf 150.000 bis 300.000. Die Analphabetenrate beträgt bis zu 90 Prozent. Auch die soziale Situation und medizinische Versorgung der Volksgruppe ist laut GHM-Berichten äußerst schlecht. (APA)

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