"Der Neue Markt ist immer noch billig"

21. November 2001, 00:14
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Fondsmanager Michael Fraikin, über Gewinneraktien und solche die es eigentlich nicht sein dürften.

e-fundresearch/Frankfurt: Der neue Markt hat seinem Tiefstand am 21 September einen dramatischen Anstieg hinter sich gebracht und sich von seinem Tiefstand aus beinahe verdoppelt. Ein Strohfeuer oder die lange erhoffte Erholung des Neuen Marktes?

Fraikin: "Mit Sicherheit war es zum Teil auch nur eine Korrektur der Übertreibung die wir im letzten Jahr nach unten gesehen haben. Der 21. September war ein "Sell-Off Day" und danach wurde wieder korrigiert, was man an diesem Tag kaputtgemacht hat.

Der Neue Markt - wie auch die großen Börsen - antizipiert aber auch, dass wir eine konjunkturelle Erholung sehen werden. Die werden wir auch sehen, obwohl die Terroranschläge das verzögert haben. Ob die Erholung der Konjunktur im ersten oder zweiten Quartal nächsten Jahres kommt ist unerheblich. Wichtig ist, dass sie kommt und darauf wetten die Märkte im Moment. An den Realdaten sehe ich das im Moment jedoch noch nicht, weder bei den Unternehmen, noch bei den Frühindikatoren."

Schwergewichte wie T-Online profitierten

e-fundresearch/Frankfurt: Ist es für Anleger, welche die Kursentwicklung der vergangenen Wochen "verschlafen" haben schon zu spät, oder lohnt sich die Investition in den Neuen Markt bei diesen Niveaus noch immer?

Fraikin: "Der neue Markt ist immer noch billig. Von dieser Hausse konnten ja vor allem die großen Schwergewichte am Neuen Markt profitieren. Da wäre ich zum Teil skeptisch. Bei einer T-Online wäre ich vorsichtig, ob es der gelingen kann, auch weiterhin den Markt outzuperformen. Ich glaube auch bei den Finanzdienstleistern hat man schon wieder viel vorweggenommen. Auch da bin ich langfristig nicht davon überzeugt.

Aber viele Qualitätstitel aus den Bereichen Technologie und industrielle Dienstleistungen sind immer noch nicht teuer. Wenn die Konjunktur sich erholt und sich die Auftragseingänge wieder verbessern, bin ich für Titel aus diesem Bereich sehr optimistisch."

e-fundresearch/Frankfurt: Gibt es Unternehmen die sie im Moment bevorzugen? Welche Aktien werden von einer Konjunkturerholung zuerst profitieren?

Fraikin: "Es ist im Moment schwer zu erkennen wo das Geschäft als erstes wieder anspringen wird. Sobald die Wirtschaft wieder dreht, wird der Markt wohl in der Breite profitieren. Vor allem aber Unternehmen die auch in der Vergangenheit unternehmerisch erfolgreich waren. Dazu gehören Unternehmen wie Singulus, Teleplan, Aixtron oder Mühlbauer. Bei einigen dieser Unternehmen werden wir aber auch in den nächsten Monaten noch schlechte Zahlen sehen."

Neue Märkte Fonds mit Performance-Problemen

e-fundresearch/Frankfurt: Viele Neue Märkte Fonds haben in Vergleich zum Index in den vergangenen Wochen nicht so gut abgeschnitten, warum?

Fraikin: "Ich glaube, dass wir langfristig wieder eine outperformance der Neuen Märkte Fonds sehen werden. In den letzten sechs Wochen haben sich die meisten Fonds, wie wir auch, sehr schwer getan. Das passiert, wenn man langfristig von Werten wie T-Online oder Finanzdienstleister nicht überzeugt ist, die aber am besten performt haben. Wenn sich die Qualität wieder durchsetzt, wird man mit Fonds wieder besser beraten sein."

In Kooperation mit

Das Interview mit Michael Fraikin ist auch als Audio- bzw. Video-File abrufbar.

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