Afghanistans Machtgruppen und ihre Anführer

20. November 2001, 21:41
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Repräsentative Paschtunen- Gruppen außerhalb der Nordallianz

New York - Mehr als ein Dutzend bewaffnete Gruppen, Parteien, ethnische und religiöse Strömungen, die teils miteinander verbündet, teils spinnefeind sind, sollen sich unter Vermittlung der Vereinten Nationen auf eine künftige Regierung einigen. Erster Ansatz dafür soll die in der kommenden Woche in Berlin geplante Afghanistan-Konferenz unter UNO-Schirmherrschaft sein.

NORDALLIANZ (repräsentiert nur eine Minderheit der Bevölkerung)

Yamiat-i-Islami

Ihr gehört die Mehrheit der Führer der Nordallianz an, die zumeist Tadschiken oder Usbeken sind. Darunter ist Militärbefehlshaber General Muhammed Fahim, der diese Position im September nach der Ermordung von Schah Massud übernahm. Auch der 1996 von den Taliban vertriebene Präsident Afghanistans und politische Führer der Allianz, Burhanuddin Rabbani, gehört dazu. Er entstammt der tadschikischen Minderheit. Der Tadschike Ismail Khan, Militärchef der Yamiat-i- Islami, hat sich inzwischen wieder als Gouverneur in der westafghanischen Stadt Herat eingesetzt. Nordallianz-Außenminister Abdullah Abdullah wird zugetraut, eine ausgleichende Rolle zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen zu spielen.

Hezb-i-Wahadat

Diese vor allem schiitische und ethnisch von den Hasara getragene Partei wird von den Kommandanten Hadschi Mohammed Muhaqiqi und Mohammed Karim Khalili geführt, die eigene Milizen befehligen. Sie haben ihre Einflussbasis vor allem im Gebiet um die nordafghanische Stadt Mazar-i-Sharif und werden vom Iran unterstützt.

Unabhängiger Kriegsherr in der Allianz

Hadschi Abdul Kadir gilt als unabhängiger Machtfaktor innerhalb der Allianz. Der frühere Gouverneur von Jalalabad (1992-96) hat inzwischen wieder die Macht in der ostafghanischen Stadt übernommen. Als Gouverneur hatte der Paschtune seinerzeit Osama bin Laden erlaubt, in der Stadt einen Wohnsitz einzurichten. Kadir geben Experten eine mögliche Schlüsselrolle in einer Übergangsregierung.

Ittihad-i-Islami

Diese kleine paschtunische Gruppierung innerhalb der Allianz wird von dem sunnitischen Fundamentalisten Abdul Rasul Sayaf geführt. Sein Einfluss soll auf finanziellen Zuwendungen durch Saudiarabien beruhen. Als einziger Paschtune hat er sich klar zu Rabbani bekannt.

Junbish

Führer dieser militärisch schlagkräftigsten Organisation der Nordallianz ist der wegen seiner Brutalität berüchtigte General Abdul Raschid Dostum. Ihr gehören neben Ex-Kommunisten vor allem Usbeken, einige Hasaras und Tadschiken an.

Harakit-i-Islami

Eine kleinere Gruppe in der Allianz, verbündet mit der Führung um Fahim und Rabbani, kommandiert von General Muhammad Anwari.

AUßERHALB DER NORDALLIANZ:

Die verschiedenen Gruppierungen außerhalb der Nordallianz werden vor allem von militärischen und religiösen Autoritäten der Paschtunen geführt.

Gulbuddin Hekmatyar gilt als der blutrünstigste der Kriegsherren seit seine Horden nach dem Abzug der Sowjets in Kabul wüteten. Seine Unterstützung bekommt er vor allem aus Pakistan. Er strebt die Herrschaft über das Paschtunen-Gebiet im gesamten Süden des Landes an.

Hamid Karsai genießt die Anerkennung vieler GemeindeäÄltester der Paschtunen. Er versuchte vergeblich, die Taliban zur kamplosen Auslieferung Osama bin Ladens zu bewegen. Karsai will die einzelnen Stammesältesten in der Regierung repräsentiert sehen.

Pir Syed Ahmhad Gailani ist das Oberhaupt der relativ einflussreichen Sufi-Sekte und will mit deren politischen Vertretung eine islamische Verfassung durchsetzen.

Eher eine Außenseiterrolle wird dem im Exil in Rom lebenden Ex-König Zahir Shah zugebilligt, der jedoch bei vielen älteren Afghanen beliebt ist und als symbolische Gestalt der Einheit wirken könnte.

In Kandahar, der letzten Rückzugsbasis der Taliban, hat sich Mullah Naquib wieder ins Gespräch gebracht. Er hatte die Stadt im Süden seinerzeit kampflos an die Taliban ausgeliefert und dadurch die Bevölkerung geschont. (APA/dpa)

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