Mit Niki Lauda nach Temelín oder Obervolta

20. November 2001, 18:57
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Anhörung zur Atomcausa in Brüssel

Was mag der frühere Formel-1-Weltmeister Niki Lauda über Temelín denken? Darüber durften sich Montagabend in Brüssel rund sechzig Leute - darunter kaum EU-Abgeordnete - den Kopf zerbrechen, die ins Europäische Parlament gekommen waren, um an einer von den Abgeordneten Marilies Flemming (VP) und Maria Berger (SP) veranstalteten Anhörung zur Atomcausa teilzunehmen.

Diese hätte laut Einladung "dazu beitragen sollen, über die unterschiedlichen Auffassungen zu informieren, die in der Frage der Sicherheit des Kernkraftwerkes Temelín bestehen". Am Ende hatte sich die Veranstaltung aber als Farce herausgestellt, die kaum Neues an Information, dafür aber umso mehr böses Blut in der EU-Kommission und im EU-Parlament erzeugt hatte.

Mit dem Sicherheitsexterten Wolfgang Kromp oder dem Leiter der tschechischen "Freunde der Erde", Jan Beranek, waren als Referenten ausschließlich eingefleischte Temelín-Gegner aufgetreten.

Ein berühmter Rallyefahrer, der finnische Exweltmeister und heutige EU-Abgeordnete Ari Vatanen, las dafür den Österreichern heftig die Leviten. Eher hätte man Experten aus Obervolta einladen sollen, die wären sachlicher und objektiver gewesen, schimpfte der Atombefürworter aus dem Norden unter anderem. Nach einer Schrecksekunde suchte Flemming zu relativieren, um das Publikum so aufzuklären: "Er ist der Niki Lauda von Finnland." (DER STANDARD, Print, 21.11.2001)

STANDARD-Korrespondent Thomas Mayer aus Brüssel
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