Nokia setzt auf die Macht der Bilder

20. November 2001, 18:37
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Handyhersteller will mit neuer Handy-Generation punkten

Barcelona - Vor einigen Jahrzehnten erfand der Filmhersteller Kodak in seiner Werbung den "Kodak-Augenblick" (Kodak moment): Jener Moment, in dem Menschen vor Entzücken zu ihrer Kamera greifen sollen, um den Augenblick für immer auf einem Bild festzuhalten.

Jetzt setzt der Handyhersteller Nokia darauf, dass eine digitale Version des "Kodak-Augenblicks" sein Geschäft und das von Hunderten Mobilfunkbetreibern nachhaltig belebt und eine profitable Brücke von den bisherigen Telefonen zu persönlichen Multimediageräten spannt. Eine neue Generation von Handys mit eingebauter Kamera verwandelt die kurzen Textnachrichten SMS - unvorstellbare 250 Milliarden Kurztexte im heurigen Jahr - in Multimediaclips aus Fotos, Texten und Ton.

MMS

Bei einer weltweiten Präsentation in Barcelona stellte Nokia das erste Modell dieser Art von Handys vor, das unter der Bezeichnung Nokia 7650 bis Mitte des nächsten Halbjahrs zu einem Preis von rund 550 Euro (7600 S) auf den Markt kommen soll. In einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte erklärte Nokia-Chef Jorma Ollila, der seit zwölf Jahren erfolgreich die Geschicke des finnischen Weltmarktführers steuert, wie MMS (Multimedia Messaging Service) im Zentrum der Evolutionsstrategie des Mobiltelefons steht.

Der "phänomenale Erfolg von SMS gibt uns die Plattform, auf die wir unsere Zukunft bauen", sagte Ollila. Noch intensiver als Worte würden Bilder "die Emotionen des Augenblicks einfangen, die wir so mit unseren Freunden und Lieben teilen können". Auch wenn Nokia weiterhin an einen Mix an neuen Anwendungen für die nächste Generation von UMTS-Handys (Universales Mobiles Telekommunikationssystem) setzt, sollen digitale Schnappschüsse offensichtlich den finanziellen Eckpfeiler der Evolution bilden.

"Killer-Applikation"

Dafür braucht die Industrie eine "Killer-Applikation", mit der sie rasch Erträge erzielen und ihre hohen Investitionskosten einspielen kann, um UMTS zu einen Massenmarkt zu entwickeln. MMS soll dabei die Rolle des bisherigen SMS übernehmen; der Bildversand wird etwa das Zwei-oder Dreifache einer SMS kosten (drei Schillinge). Die Gelegenheiten, um Schnappschüsse vom Handy zu versenden, sind schier endlos, von Urlaubsgrüßen bis zu zahlreichen beruflichen Zwecken.

Neben seiner offensichtlichen Attraktion Fotografie bietet das Nokia 7650 auf Basis derselben MMS-Technologie eine Reihe anderer Funktionen wie Nachrichtenempfang mit Bildern, grafische Darstellungen von Geschäftsdaten oder mobile Dienste wie Stadtpläne. Das Gerät verfügt über GPRS und HSCSD (zwei GSM-Technologien zur schnelleren Datenübertragung) sowie Bluetooth, eine drahtlose Technik, um unterschiedliche Geräten zu verbinden.

"Bis Ende 2002 werden mehr als die Hälfte aller Nokia-Terminals MMS-fähig sein, 2003 wird MMS ein integrierter Bestandteil aller unserer Produkte sein", kündigte Ollila an. Das bedeutet nicht, dass alle Handys auch fotografieren können, aber dass alle Multimedianachrichten von anderen Geräten empfangen können. Bildnachrichten kön-nen auch an eine E-Mail-Adresse versandt werden. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 21.11.2001)

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