Erste Studie "Fahrer und Beifahrer" vorgelegt

20. November 2001, 15:22
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Pilot und Copilot sind kein optimales Duo - Jeder fünfte Beifahrer empfindet "nackte Angst"

Köln - Beifahrer sind für die Sicherheit auf den Straßen wichtiger als bisher angenommen. Allerdings: "Sie können sich als sicherheitsförderlich oder sicherheitsabträglich erweisen", ergab die europaweit einzigartige Studie "Fahrer und Beifahrer - Schicksalsgemeinschaft im Auto", die am Dienstag in Köln vorgelegt worden ist. Fazit: Häufig ist das Zusammenspiel von Fahrer und Beifahrer alles Andere als optimal. Immerhin jeder fünfte Beifahrer empfinde "nackte Angst", so das Ergebnis der 26. Uniroyal-Verkehrsuntersuchung, die auf der Befragung von mehr als 2.500 Verkehrsteilnehmern in Deutschland basiert. Der Reifenhersteller Uniroyal veröffentlicht seit 1977 Verkehrsuntersuchungen.

200-seitige Studie

Die Autoren der fast 200-seitigen Studie sind der Psychologieprofessor Bernhard Schlag (Dresden) und der Kölner Soziologe Dieter Ellinghaus. Ziel sei es, die gegenseitige Akzeptanz im Auto zu fördern. Eine sichere Fahrt müsse als beiderseitiges Anliegen begriffen werden, sagten sie. Dem Fahrer wird in der Studie vor allem Gelassenheit und Rücksichtnahme empfohlen. Den Beifahrern raten die Forscher, nicht ständig zu kritisieren oder Angst zu zeigen, etwa "schreckhaftes Aufschreien in der Kurve". Derartige Reaktionen würden den Fahrer belasten, hieß es

Partner bevorzugt

Generell bevorzugten Männer wie Frauen ihre eigenen Partner als Beifahrer. Danach folgen für Männer gleichaltrige Freunde, für Frauen eher Freundinnen und Kinder. Teenager und Twens sind am liebsten mit ihresgleichen unterwegs. Ganz unten in der Beliebtheitsskala rangieren kleine Kinder, ältere Leute, Vorgesetzte und als Schlusslicht Fremde und Anhalter.

Das Zusammenspiel im Auto erfordert nach Ansicht der Autoren "besonderes Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick". Vielfach würden Konflikte zwischen Paaren aus dem Alltagsleben ins Auto hineingetragen. Dort verstärkten sie sich durch "eine physische Zwangsnähe und die Unmöglichkeit des Ausweichens". Diskussionen über den Fahrstil sollten später geführt werden, nicht im Auto, raten die Autoren.

Grundsätzlich hätten Beifahrer eine "positive Wirkung", hieß es. Ihr möglicher Beitrag zu mehr Sicherheit sei allerdings nicht ausgeschöpft. "Da gibt es durchaus Nachholbedarf." Laut US-Studien soll das Unfallrisiko mit einem Beifahrer nur halb so groß sein wie bei Alleinfahrten. (APA/dpa)

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