Schröder-Berater stolpert über "Arschlöcher"-Affäre

20. November 2001, 15:55
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Michael Steiner tritt nach Soldaten-Beschimpfung zurück

Berlin - Der außen- und sicherheitspolitische Berater des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, Michael Steiner, gibt sein Amt auf. Das bestätigte Regierungssprecherin Charima Reinhardt am Dienstag in Berlin.

Steiner war in den letzten Tagen scharf kritisiert worden, weil er Luftwaffenangehörige bei einem Zwischenstopp in Moskau als "Arschlöcher" beschimpft hatte. Er habe dem Kanzler seinen Entschluss schriftlich mitgeteilt, erklärte Reinhardt.

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm das Rücktrittsgesuch Steiners an. Nach Angaben einer Regierungssprecherin würdigte Schröder die Leistungen seines bisherigen außenpolitischen Beraters. Er hob Steiners stets loyale, fachlich hervorragende und engagierte Zusammenarbeit in schwieriger Zeit" hervor.

Der Diplomat hatte sich bei einem heftigen Wortwechsel in Moskau bei der Rückreise Schröders von einer Asien-Reise im Ton vergriffen. Drei Soldaten des Flugpersonals hatten sich bei ihrem Dienstherrn beschwert, weil Steiner sie mehrfach als "Arschloch" tituliert hatte. Der Verteidigungsattache an der Moskauer Botschaft hatte sich nach Steiners Äußerungen schriftlich beschwert.

Während Schröder bei dem Zwischenstopp mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentraf, sollte seine Delegation einschließlich Steiner weiter nach Deutschland fliegen. Vor dem Abflug kam es aber zu Verzögerungen. Steiner soll daraufhin den Soldaten zunächst zugerufen haben, sie sollten doch Kaviar servieren, wenn man schon zu nächtlicher Stunde so lange warten müsse. Der Kanzlerberater entschuldigte sich danach für seine Äußerungen, führte sie auf Überlastung zurück und betont, die Forderung nach Kaviar sei humorvoll gemeint gewesen.

Steiner galt während seiner Amtszeit als fachlich versiert. Dennoch wurden ihm Konflikte unter anderem mit dem Außenministerium nachgesagt. Im Frühjahr sorgte eine angebliche Äußerung Steiners für Aufsehen, dass Libyens Staatschef Muammar Gaddafi sich zum Terroranschlag auf die Berliner Diskothek "La Belle" von 1986 bekannt habe. Dies hatte der damalige deutsche Botschafter in den USA, Jürgen Chrobog, mit Wissen Steiners aus einem Gespräch von Schröder mit US-Präsident George W. Bush referiert. Später bestritt die Bundesregierung die Äußerung. (APA/AP/dpa)

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