"Mehr Information, mehr Kultur"

21. November 2001, 13:43
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Ausschuss beschließt "anspruchsvolles" Programm

Das Fernseh-Programmschema für das kommende Jahr stand am Dienstag im Mittelpunkt der Sitzung des Programmausschusses des ORF-Kuratoriums. Einstimmig beschlossen wurde dabei erstmals ein nach den Buchstaben des neuen ORF-Gesetzes "anspruchsvolles" Programm. ORF-Generalintendant Gerhard Weis wies jedoch bei einem Pressegespräch im Anschluss an die Sitzung darauf hin, dass eine solche Programmierung Zuschauerreichweiten kosten könne.

"Anspruchsvolles" Hauptabendprogramm

"In der Regel" muss das Hauptabendprogramm der beiden ORF-Kanäle "anspruchsvoll" sein, lautet der lange und heftig diskutierte Passus im Gesetz. "Mehr Information, mehr Kultur" werde es daher im kommenden Jahr geben, erklärte Helmut Mödlhammer, Vorsitzender des Ausschusses. Die detaillierte "Realprogrammierung" wurde nur für die ersten drei Monate des Jahres 2002 beschlossen, da man der neuen Geschäftsführung nicht vorgreifen wollte.

Mehr Kultur bring keine Reichweiten

Was "mehr Kultur" aber für den Sender auch bedeuten könne, illustrierte Weis mit dem Hauptabendprogramm des vergangenen Samstags: Mit dem Grillparzer-Theaterabend "Weh dem, der lügt" habe man auf ORF 2 etwa 82.000 Zuschauer erreicht, während "Wetten, dass..." auf ORF 1 über 1,3 Millionen ORF-Seher vor die Bildschirme lockte. Konsequenz für Weis: 82.000 Zuschauer für eine Burgtheateraufführung seien zwar zufriedenstellend, aber "unter dem Strich darf man sich von diesem Programm nicht erwarten, dass es Reichweiten bringt. Wir werden verlieren." Dazu auch Mödlhammer: "Der Kulturauftrag hat ein gewisses Risiko in sich."

"In Publikumsgewohnheiten eingreifen"

Das "anspruchsvolle Programm" werde "durchmischt auf beiden Kanälen" zu sehen sein und durchaus auch "in Publikumsgewohnheiten eingreifen", so Weis weiter. Opern- und Theaterübertragungen würden sich dabei aber "quantitativ am Unterrand" bewegen: "Anspruchsvolle" Dokumentationen, Filme und Filmreihen sollen den gesetzlichen Auftrag ebenso erfüllen. Fix ist auch der Start von "Gleiches Recht für alle", der neuen Volksanwaltssendung mit Peter Resetarits, am 12. Jänner 2002 am Sendeplatz von "Konflikte".

Noch in Verhandlung befindet sich laut Weis der Vertrag für die Übertragungsrechte für die Formel 1. Es gebe bereits einen Vorvertrag, "aber das Kleingedruckte fehlt noch". Eine Vertragsverlängerung für den "Musikantenstadl" steht ebenfalls noch aus, soll aber von der neuen Geschäftsführung vorgenommen werden. Der derzeitige Vertrag läuft mit 1. Jänner 2002 aus, der Silvesterstadl sei aber gesichert, so der ORF-GI.

Letzte Zusammenkunft der Kuratoriums

Mit 1. Jänner 2002 übernimmt der neue Stiftungsrat endgültig die ORF-Aufsicht, der Programmausschuss des Kuratoriums ist daher am Dienstag zum letzten Mal zusammengetreten. Abschließend betonten Weis und Mödlhammer denn auch das sachliche Klima, das im Programmausschuss stets geherrscht habe: Dieser sei nie zur "verlängerten Werkbank" des Parlaments und seiner Parteien geraten, sondern habe unternehmensnah und zielorientiert gearbeitet.

Die Arbeit des "alten" Kuratoriums steht nun vor der Schlussrunde: Kommende Woche (29. November) tagt zum letzten Mal der Finanzausschuss, am 5. Dezember 2001 trifft sich das Kuratorium zu seiner letzten Sitzung, bei der auch das heute beschlossene Sendeschema endgültig abgesegnet wird. (APA)

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