Drogenkonsum fordert EU-weit bis zu 8.000 Todesfälle im Jahr

20. November 2001, 14:05
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"Comeback" von Heroin und Kokain laut EU-Drogenbericht

Brüssel - Suchtgiftkonsum verursacht EU-weit 7.000 bis 8.000 Todesfälle im Jahr. Wie aus dem Jahresbericht 2001 der Lissabonner EU-Drogenbeobachtungsstelle, der am Dienstag im Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt wurde, hervorgeht, bleibt Cannabis die in allen 15 EU-Staaten am meisten genommene illegale Substanz. An zweiter Stelle folgen die synthetischen Drogen, so genannte Amphetamine und Ecstasy. Mit Sorge sieht die Drogenstelle auch eine relative Zunahme des Verbrauchs der harten Stoffe Heroin und Kokain.

Osteuropäische Kandidatenländer

Eine ähnliche Entwicklung wie in der EU stellt die Behörde in den erstmals untersuchten zehn osteuropäischen Kandidatenländern, sowie Mazedonien, Albanien und Bosnien-Herzegowina fest. Allerdings lägen nur Teilinformationen vor, wie der Bericht unterstreicht.

Todesfälle konstant

Der Drogenkonsum und die Zahl der durch Überdosis oder Vergiftung bedingten Todesfälle sind in den vergangenen Jahren vor allem wegen der Abnahme riskanter Praktiken und besserer medizinischer Betreuung sowie mehr Substitutionsbehandlung konstant geblieben. Mit bis zu 8.000 Todesfällen jährlich erreicht die wesentlich bevölkerungsreichere EU nur etwa die Hälfte der Todesziffern in den USA.

Cannabis

Die "beliebteste" Droge bleibt Cannabis. Laut dem Bericht haben etwa jeder zehnte der 15- bis 64-jährigen Finnen und fast jeder vierte in Dänemark, Spanien, Frankreich, Irland, den Niederlanden und Großbritannien Cannabis genommen. Bis zu neun Prozent der Befragten gaben an, die illegale Droge in jüngster Zeit konsumiert zu haben, bei anderen illegalen Substanzen lag die Zahl bei einem Prozent. Vor allem 15- bis 34-Jährige sind Cannabis-Konsumenten. Probiert wurde die Droge in Dänemark, Spanien, Frankreich, Irland, den Niederlanden und Großbritannien von 28 bis 40 Prozent der jungen Leute in dieser Altersklasse, in Finnland und Schweden dagegen nur von 15 Prozent.

Amphetamine und Ecstasy

Mit synthetischen Drogen (Amphetamine) und Ecstasy, die vor allem in den Niederlanden, Tschechien und Polen hergestellt werden, experimentierten bis zu vier Prozent der Erwachsenen, in Großbritannien sogar fast zehn Prozent. Allerdings klaffen die Zahlen zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten weit auseinander. In Großbritannien greifen rund 16 Prozent der 15- bis 34-Jährigen zu synthetischen Drogen. Nur in wenigen Fällen ist Ecstasy aber die Hauptdroge der Süchtigen in Behandlung, den höchsten Anteil meldete Irland mit 8,9 Prozent. Amphetamine werden in Finnland (39 Prozent), Schweden (17 Prozent) und Belgien (15 Prozent) am meisten konsumiert. Populär ist die Droge bei Techno- und Rave-Partys.

Heroin

Besorgniserregend ist laut dem Bericht der relative Anstieg des Heroinverbrauchs, auch wenn weniger als einer von 100 Erwachsenen zu der Droge greift. Das harte Suchtgift verursacht nicht nur Infektionskrankheiten, sondern führt auch zu den meisten drogenbedingten Delikten. Während der Konsum in Deutschland, den Niederlanden und Österreich stagniert, ist er in Griechenland, Luxemburg, Finnland, Schweden und Großbritannien größer geworden. In Spanien und Frankreich ist die Tendenz fallend.

Kokain wird nicht mehr nur von betuchten Freizeitkonsumenten genommen, sondern auch von sozial Ausgegrenzten, die Joints aus "Base/Crack"-Kokain mischen. In Österreich, den Niederlanden und Finnland befürchtet der Drogenbericht wegen der Benutzung von Spritzen damit wieder einen Anstieg der Aids- und Hepatitis-Erkrankungen.

Haupttransitrouten für Kokain von Lateinamerika nach Europa sind Belgien, die Niederlande und Spanien. Im Jahr 1999 wurden mehr als sieben Tonnen Heroin in der EU beschlagnahmt, ein Drittel davon in Großbritannien. Die EU hat einen Aktionsplan (2000-2004) beschlossen, der eine Reduktion von Drogenkonsum und Kriminalität, bessere Behandlungsmethoden und Kampf gegen Geldwäsche als Schwerpunkte vorsieht. (APA)

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