Akademie zeigt Highlights der Holländer und Flamen des 17. Jh.

20. November 2001, 22:45
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Neu adaptierte Galerie

Wien - Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien besitzt eine der reichsten Sammlungen niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts. Ab Mittwoch präsentiert die Galerie Glanzlichter aus diesem kostbaren Bestand, darunter zahlreiche neu restaurierte Kunstwerke und eine Reihe von Schätzen, die noch nie in der Schausammlung zu sehen waren. Zugleich mit der Ausstellungseröffnung wird der Öffentlichkeit ein Schauraum in neuem Licht wieder zugänglich gemacht: Die hofseitige Loggia der Hansengalerie wurde als "Grüne Galerie" adaptiert.

Geschlossenes Raumensemble

Drei Jahre lang war der nun grün ausgemalte Korridor aus akutem Platzmangel nur als Depot- und Manipulationsraum genutzt worden und für das Publikum geschlossen. Mit seiner Wiedereröffnung hat die Galerie nun, nach der bereits erfolgten Adaption der Hansengalerie, des Klassizismus- und des Bosch-Saals, ihr Programm einer behutsamen Modernisierung und Neugestaltung ihrer öffentlichen Schauräume vorerst abgeschlossen. Die wegen der Lichtspiegelung problematische Fensterreihe der Grünen Galerie hat man nun mit Stellwänden verdeckt und dadurch zusätzliche Hängeflächen geschaffen, ohne aber das Tageslicht gänzlich auszusperren. Im dadurch entstandenen Charakter eines geschlossenen Raumensembles kommen auch die originalen Groteskenmalereien der Gewölbe besser zur Geltung.

In der Neupräsentation der Niederländer sind in der Grünen Galerie vorwiegend die intimeren, kleinformatigen Bilder ausgestellt, die größeren Formate hängen in der Hansengalerie. Zu den bisher noch nie gezeigten "Zuckerln aus dem Fundus", so die Direktorin der Gemäldegalerie Renate Trnek, zählen etwa die Hühnerhöfe des holländischen Modemalers Melchior d'Hondecoeter, von denen die Akademiegalerie fünf besitzt. Highlights sind auch die zwei Trompe-l'oeil-Stilleben vom bekannten "Oogenbedrieger" ("Augenbetrüger") Samuel van Hoogstaten und dem raren Maler Philips Angel.

"Italianisante Landschaften"

Zu sehen sind weiters "italianisante Landschaften" (aus der Erinnerung an Italien-Reisen gemalt, Anm.), darunter die wertvolle "Pastorale" von Nicolaes C. Berchem, neben düsteren Haarlemer Landschaften, hochkarätige Gesellschafts- und Genreszenen, köstliche Stilleben und Blumenstücke. Und die beiden jüngsten Neuerwerbungen der Galerie: eine "Kreuzaufrichtung" von Leonaert Bramer aus Delft und als Dauerleihgabe der Galerie Sanct Lucas Wien die "Südliche Landschaft" von Herman Saftleven.

In die Niederländer-Ausstellung integriert wurden auch die wichtigsten Werke französischer Maler der Sammlung, u.a. Naturstudien von Claude Gelle (genannt Lorrain), einer Vorbildfigur auch für niederländische Romfahrer. Eine Ecke zwischen Hansen- und Grüner Galerie soll zudem mit Exponaten aus dem Kupferstichkabinett, der Glyptothek und aus einem bedeutenden Skulpturenlegat an die Gemäldegalerie auf den weiteren Reichtum der Kunstsammlungen der Akademie aufmerksam machen. (APA)

"Das goldene Zeitalter in den Niederlanden. Ganzlichter der holländischen und flämischen Malerei des 17. Jh. neu präsentiert",
ab 21.11. in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, 1., Schillerplatz 3. Geöffnet Di-So und Feiertag 10-16 Uhr, geschlossen am 1.1., 1.5., Fronleichnam, Rektorstag, 1./2.11., 24./25.12.,31.12.; Führungen So 10.30 Uhr, Kataloge von Renate Trnek: "Rubens und die flämische Barockmalerei in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien" (290 Schilling) und "Die holländischen Gemälde in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste" (1.260 bzw. im Buchhandel 1.680 Schilling).
www.akademiegalerie.at
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