Merril Lynch sieht Kombi-Ausstieg von TI und ÖIAG aus Telekom Austria

20. November 2001, 13:56
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Übernahmeangebot für Kleinaktionäre wahrscheinlich

Das US-Investmenthaus Merrill Lynch rechnet damit, dass die österreichische Staatsholding ÖIAG (47,8 Prozent) und die Telecom Italia/TI (29,8 Prozent) ihre Anteile an der Telekom Austria (TA) gemeinsam verkaufen werden. Angesichts der Größe der betroffenen Aktienpakete und der komplexen Vereinbarungen im Syndikatsvertrag sei dies "die wahrscheinlichste Variante", heißt es in einer jüngsten Analyse des Investmenthauses.

Im Nebel

Auf eine konkrete Prognose über das zu erwartende Verkaufsprozedere der beiden Konsortialpartner wollen sich aber auch die Merrill Lynch-Analysten nicht einlassen: Möglich sei die Platzierung einer zweiten Tranche von Aktien an der Börse (Secondary Offering), ein Komplettverkauf der Gruppe aber auch ein Teilverkauf von Unternehmenssparten. Sollte durch den Ausstieg von TI und ÖIAG ein neuer Investor mehr als 30 Prozent an der TA erwerben, müsste es laut österreichischem Übernahmegesetz auf jeden Fall ein Angebot zu den selben Konditionen für alle anderen Shareholder, also auch für die Kleinaktionäre geben, so die Analysten. 22,4 Prozent der Telekom stehen in Streubesitz.

Die Telecom Italia hält neben der TA noch über die 55 prozentige Mobilfunktochter TIM 25 Prozent an der Mobilkom Austria. Der Rest der Mobilkom steht im Eigentum der Telekom Austria.

ZUstimmung

Der Syndikatsvertrag zwischen ÖIAG und Telecom Italia verhindert weitgehend einen Anteilsverkauf ohne Zustimmung des Konsortialpartners. Die TI kann ihre Anteile ohne Zustimmung der ÖIAG nicht vor Oktober 2003 verkaufen, die TIM ihre Anteile an der Mobilkom nicht vor Juli 2002. Auf der anderen Seite kann die ÖIAG ihre Anteile nicht ohne Zustimmung der TI an einen Telekom-Betreiber verkaufen, wenn das betroffene Anteilsvolumen 10 Prozent übersteigt. Beim Börsegang der Telekom Austria vor einem Jahr hat die TI außerdem einen zusätzlichen TA-Anteil von 4,8 Prozent erhalten. Grund dafür war, dass der Ausgabekurs mit 9 Euro mehr als 25 Prozent unter dem ursprünglichen Einstiegspreis der TI von 15,8 Euro lag.

Angesichts dieser Vereinbarung halten die Analysten von Merrill Lynch auch eine informelle Vereinbarung über das "Pricing" für künftige Transaktionen für denkbar. Die ÖIAG hat bereits erklärt, nicht unter einem Marktpreis von 9 Euro verkaufen zu wollen. (APA)

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