"Unangemessene Witze" über die Lage in Tschetschenien

20. November 2001, 13:48
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Russische Menschenrechtler kritisieren Präsident Putins Politik

Moskau - Moskauer Menschenrechtler haben Präsident Wladimir Putin für die von russischen Truppen verübten Brutalitäten in Tschetschenien verantwortlich gemacht. "Die Verantwortung dafür liegt bei Ihnen als dem Staatsoberhaupt und Oberkommandierenden der Streitkräfte des Landes", schrieben die wichtigsten russischen Menschenrechtsgruppen in einem Offenen Brief an Putin. Außerdem wurde im Moskauer Sacharow-Museum eine Ausstellung zu dem seit zwei Jahren dauernden Feldzug gegen die Nordkaukasus-Republik eröffnet.

Die Menschenrechtsgruppen, darunter Memorial, der Glasnost-Fonds und das Moskauer Helsinki-Komitee, äußerten sich kurz vor einem vom Kreml organisierten "Bürgerforum". Dabei soll ein Dialog zwischen der Staatsmacht und den Nichtregierungsorganisationen in Russland begonnen werden, wobei Kritiker eine Vereinnahmung fürchten.

Die Unterzeichner des Briefes warfen Putin vor, "unangemessene Witze" über die Lage in Tschetschenien zu machen. Er hatte bei einer Pressekonferenz in Brüssel im Oktober auf die Frage nach Menschenrechtsverletzungen in Polizeimanier zurückgefragt: "Wessen Rechte werden verletzt? Nennen sie konkrete Namen und Fälle!" Die Menschenrechtler legten dem Brief mehrere Dokumentationen über Ausschreitungen russischer Truppen gegen die tschetschenische Zivilbevölkerung bei: "Wir nennen Ihnen Namen und Fälle." (APA/dpa)

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