Unklare Situation in Kundus

22. November 2001, 22:06
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Innenminister der Nordallianz: Verhandlungen mit Taliban gescheitert - Stadt soll bis Freitag eingenommen werden

Duschanbe/Kabul/Mazar-i-Sharif - Die Verhandlungen über die Kapitulation der von den Taliban gehaltenen Stadt Kundus sind nach Angaben des Innenministeriums der Nordallianz gescheitert. Innenminister Yunus Kanuni sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters, die Gespräche seien eine Finte der Taliban gewesen. "Im Moment rücken unsere Streitkräfte vor. Wir hoffen, dass wir bis morgen (Freitag) Kundus genommen haben".

Zuvor hatten der Nordallianz-Kommandant Abdul Rashid Dostum und der Taliban-Kommandant der seit Tagen belagerten nordafghanischen Stadt, Mullah Faisal, noch gesagt, die afghanischen als auch die ausländischen Kämpfer würden die Waffen niederlegen. Am Donnerstagabend hatte das staatliche Fernsehen im benachbarten Usbekistan unter Berufung auf Dostum erklärt, dessen Truppen hätten Kundus eingenommen. Kundus ist neben Kandahar die letzte größere Stadt unter Taliban-Kontrolle.

"Wir haben versucht, das Thema Kundus durch Verhandlungen zu lösen, aber wir sind gezwungen worden, die militärische Lösung zu suchen", sagte Kanuni. Die Taliban hätten bei den Verhandlungen versucht, die Nordallianz zu spalten. "Es war eine politische Taktik. Sie wollten Zeit gewinnen. Sie hatten überhaupt nicht vor, sich zu ergeben." Die Taliban hätten sich nur einem bestimmen Teil der Nordallianz ergeben wollen. In der Stadt befänden sich 15.000 Soldaten der Taliban, darunter 9000 bis 10.000 ausländische Kämpfer.

Sprecher der Nordallianz: Söldner werden vor Gericht gestellt

Zuvor hatte ein Sprecher der Nordallianz gesagt, die Afghanen könnten nach Hause zurückkehren. Die Söldner aus arabischen Ländern, Pakistan und Tschetschenien würden hingegen vor Gericht gestellt. Sie gehören zur El-Kaida-Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden, den die USA wegen der Anschläge in New York und bei Washington jagen. Ein Sprecher der US-Regierung sagte in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, die USA könnten einem Abzug der afghanischen Taliban zustimmen. Die nicht-afghanischen Soldaten sollten dagegen entwaffnet und festgehalten werden, bis klar sei, was weiter mit ihnen geschehen solle.

Wiederholt war bei den am Dienstag begonnenen Verhandlungen von einer Bereitschaft der afghanischen Taliban zur Aufgabe berichtet worden, die die ausländischen Kämpfer jedoch abgelehnt hätten. Diese befürchten den Berichten zufolge, von der Nordallianz getötet zu werden und wollten bis zum Tode kämpfen. Sollte Kundus an die Nordallianz fallen, würden den Taliban als einzige größere Stadt noch Kandahar im Süden des Landes bleiben. Vor dem Beginn der US-geführten Angriffe am 7. Oktober hatten die Taliban etwa 90 Prozent Afghanistans kontrolliert. (APA)

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